Syke - Der 11. März ist der Jahrestag des Tsunamis an der japanischen Ostküste und damit auch der Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Der 11. März 2012 ist aber auch der Tag, an dem die Syker Werbegemeinschaft ihr Frühlingsfest feiert. Und damit haben die örtlichen Atomkraftgegner ein Problem.

© ksy
Die Bilder des Unglücksreaktors von Fukushima gingen vor einem Jahr um die Welt. Für die Mahnwache gegen Atomkraft, die seitdem regelmäßig vor dem Syker Kreishausgebäude Stellung bezieht, ist es ein Ärgernis, dass in Syke am Jahrestag dieser Kata strophe das Frühlingsfest gefeiert werden soll. · Archivbild: Digital Globe
Seit dem Reaktorunglück halten sie regelmäßig montags Mahnwache vor dem Torbogen am Syker Kreishausgebäude, um dann gegen 18 Uhr in einem kleinen Demonstrationszug durch die Hauptstraße auf die Gefahren der Atomkraft hinzuweisen. Von den anfänglich gut 60 regelmäßig beteiligten Personen sind bis heute etwa zwei Dutzend unentwegter übrig geblieben. Im Namen dieser Mahnwache hat nun Renate Ziegler aus Högenhausen in einem offenen Brief an Bürgermeister Dr. Harald Behrens gegen das Syker Frühlingsfest protestiert.
„Der nun nahende Jahrestag ist es wert, den Opfern dieser Katastrophe ganz besonders zu bedenken“, heißt es darin. Und weiter: „Ein Frühlingsfest an einem solchen Tag stattfinden zu lassen, ist geschmacklos. Von einem Bürgermeister erwarte ich Einfühlungsvermögen und das Schauen über den eigenen Tellerrand hinaus.“ Renate Ziegler schließt mit der Forderung, „dass Sie bei der Eröffnung des Frühlingsmarkts Fukushima erwähnen und Stellung beziehen“.
Zweitens: „Wir sind auch auf die Terminplanung der Schausteller angewiesen“, sagt Lux. Und die Bewerberliste für ein derart kleines Volksfest sei nicht eben lang. „Wir hatten vor langer Zeit den Frühlingsmarkt einmal irrtümlich falsch terminiert“, erinnert sich Lux. „Die Folge: Ein Drittel weniger Schausteller.“
Hinzu kommt für den WG-Chef: „Eine Verlegung kommt für mich grundsätzlich nur in Frage, wenn bei uns unmittelbar um die Ecke etwas dramatisches passiert. Man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen: So schrecklich das Unglück in Japan auch war – in Deutschland ein Frühlingsfest abzusagen, nur weil es am Jahrestag des Unglücks ist, halte ich für nicht angemessen.“
Bürgermeister Harald Behrens schlägt angesichts des offenen Briefs spontan vor, der Mahngruppe einen Stand auf dem Frühlingsfest einzurichten, an dem sie auf ihre Belange aufmerksam machen könnte. Michael Lux findet die Idee gut und würde einen solchen Stand kostenlos zur Verfügung stellen. · mwa
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