Syke - Viel Arbeit bringt der morgige Volkstrauertag für Frédéric Michel mit sich: Für mehrere Hundert Gäste gilt es, Stühle aufzustellen, Blumen zu verteilen und alles für den abschließenden Kaffee vorzubereiten. Nicht zu vergessen: Die Elektrik für die Redner muss installiert werden.

© ksy
Frédéric Michel am Grab eines deutschen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Der junge Syker absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) auf einer Kriegsgräberstätte in Belgien.
Am schwierigsten für den 19-Jährigen: Alle Absprachen im Vorfeld erfolgten auf Flämisch. Denn Frédéric Michel arbeitet in der Kriegsgräberstätte Lommel in Belgien. Dorthin hat es den jungen Syker im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs verschlagen.
„Nach dem Abitur wollte ich mich im sozialen Bereich engagieren und gleichzeitig ein neues Land und eine neue Sprache kennen lernen“, erklärt der ehemalige Schüler des Syker Gymnasiums. „Dabei bin ich auf den Internationalen Jugendfreiwilligendienst (ijgd) in Berlin gestoßen, der mehrere Projekte im Ausland anbot.“
Eines davon ist die Arbeit in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte im belgischen Lommel. Sie gehört zu einer Kriegsgräberstätte des Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge. Auf dem Friedhof in Lommel ruhen 38 560 gefallene deutsche Soldaten des Zweiten Fast 40 000
deutsche Kriegsgräber
Der eigentliche Arbeitsplatz des 19-Jährigen ist die Begegnungsstätte, eine Einrichtung ähnlich einer Jugendherberge. Sie wird vorwiegend von Schulklassen und Jugendgruppen besucht, die sich dort mit dem Zweiten Weltkrieg ausein andersetzen. „Meine Hauptaufgabe ist die Begleitung dieser Gruppen“, erklärt Frédéric.
Die Begegnungsstätte bietet diverse Programme an. Eines davon sind die „Einzelschicksale“: Einige Gefallene erhalten durch persönliche Gegenstände wie Feldpostbriefe und dergleichen ein Gesicht. „Das Material dafür haben uns Angehörige der Toten zur Verfügung gestellt.“ So soll die Persönlichkeit der Gefallenen herausgearbeitet und damit eine Begegnung zwischen Jugendlichen und dem jeweiligen Einzelschicksal ermöglicht werden. „Ziel ist es, durch diesen persönlichen Zugang ein Bewusstsein für die schlimmen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs zu entwickeln“, betont der Syker.
Zu Frédérics Tätigkeiten gehören aber auch diverse andere Aufgaben – von der Zimmerzuweisung für die Gäste über die Essensausgabe bis hin zum Putzdienst nach Abreise der Gruppen. Und nicht zuletzt sind das auch die Führungen über die Kriegsgräberstätte.
Auf Deutsch für Schülergruppen aus Deutschland, aber inzwischen auch auf Flämisch für belgische Gruppen. „Ein Sprachkurs gehört zu meinen verpflichtenden Aufgaben hier.“
Zweimal drei Stunden die Woche paukt der Syker Flämisch. Was ihm morgen ohne Frage zugute kommen wird. „Das ist wirklich eine sehr große Veranstaltung mit zahlreichen offiziellen Vertretern aus Deutschland und Belgien. Schüler der Internationalen Deutschen Schule aus Brüssel singen, die Königliche Kapelle der belgischen Marine spielt. Es gibt einen Beitrag von Schülern der deutschen Haupt- und Realschule Herzberg, die Gedenkrede von Hannovers ehemaligem Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und schließlich das Totengedenken mit Kranzniederlegung.“
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