Sulingen - WEHRBLECK · „Und dann bin ich hängen geblieben...“: Eine Art Standardsatz, den Auswanderer eigentlich immer sagen. Doch steckt jedes Mal eine ganz eigne Geschichte dahinter. Die ist nie Standard. Auch nicht die von Ivonne Meisel.

© Foto: Wendt
Ivonne Meisel schafft sich dank des „Homeshopping“ ein zweites Standbein. ·
Die junge Wehrbleckerin lernt Erzieherin und will ihr Englisch aufpolieren. Eine Stelle als Au-Pair ist im Jahr 2003 schnell gefunden: Zwölf Monate verbringt Ivonne bei einer alleinerziehenden Mutter mit Kind im Londoner Stadtteil Kensington. Und bleibt in der britischen Hauptstadt „hängen“: Sie lernt einen jungen Mann kennen, zieht mit ihm in seine Heimatstadt Aylesbury, nordwestlich von London. Dort wohnt sie noch heute, allein. Die Bekanntschaft hielt damals nur drei Monate.
Die blonde zierliche Frau erzählt ihre Lebensgeschichte mit einem britischen Akzent. Sie hat sich in England eingelebt. Vier Jahre arbeitete sie als Erzieherin in der örtlichen Krippe, leitete zuletzt die Gruppe der jüngsten. Doch das sollte es noch nicht sein – sie bewarb sich als Nanny. Das Kindermädchen in der Familie hat in England einen anderen Stellenwert, ist letztlich günstiger, als die Kinder in die jeweilige Einrichtung zu schicken. Und deshalb arbeitet Ivonne Meisel für eine deutsch-amerikanische Familie mit zwei Kindern im Alter von fünf und zwei Jahren. Der flexible Einsatz der Nanny ist für die Familien praktisch: Ivonne kümmert sich um die Termine der Kleinen, bringt sie zu Sport- oder Musikstunden. Abends fährt sie nach Hause. Das Apartment in Aylesbury ist klein, aber aufgrund der „Nähe“ zu London kostet es schon mehr, als ein vergleichbares im heimischen Wehrbleck. Eine Rückkehr aufs Land nach Deutschland kann sich Ivonne Meisel nicht mehr vorstellen. Zu sehr hat sie die Vorzüge einer Großstadt schätzen gelernt, hat in England ihren Freundeskreis, freut sich auf regelmäßige Besuche in den Musicals in London. „Und letztlich ist es egal, ob ich in England oder München wohne: Beides ist mit dem Flieger in einer Stunde ab Bremen zu erreichen“, sagt Ivonne Meisel, die gerade wieder zu Besuch im Elternhaus in Wehrbleck war. Regelmäßige Besuche bei der Familie gehören für Ivonne Meisel unbedingt dazu, denn in England ist sie auf sich allein gestellt.
Sagt's und ist schon wieder auf dem Sprung zurück nach England. · sis
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