Sulingen - KIRCHDORF. Angelika Milster eilt in die St. Nikolai Kirche. Sie geht winkend und mit einem fröhlichen „Guten Abend“ auf den Lippen durch den Mittelgang auf die Bühne. Sie ist da. So unspektakulär ihr Auftritt, so Aufsehen erregend ihr Konzert, das das Publikum in Kirchdorf auf ganzer Linie begeistert.

© Foto: Kurth-Schumacher
Gut gefüllt waren die Kirchenbänke beim Konzert von Angelika Milster in Kirchdorf am Sonntag. ·
Nicht nur ihre Stimmgewalt und ihre Ausdrucksstärke, sondern auch ihre Vielseitigkeit und Präsenz fordern den 350 Zuhörern Respekt ab. Angelika Milster, die Anfang der 1980er Jahre als Katze „Grizabella“ im Erfolgsmusical „Cats“ ihren großen Durchbruch feierte, bezeichnet sich selbst als „Grenzgänger“. In unterschiedlichen Musik-Genres sucht die 60-Jährige Herausforderungen – mit fließenden Grenzen zwischen E- und U-Musik. Am Sonntagabend ist sie mit ihrem Programm „Classic meets Musical“ Gast des Vereins „KunstKulturForum Kirchdorf“, der weit mehr als doppelt so viele Gäste begrüßen kann, als erhofft.
Gänsehaut-Feeling stellt sich bei den Zuhörern schon während ihrer ersten beiden Stücke („Vaterunser“ und „Kyrie“) ein, die in Verbindung mit den monumentalen Klängen, die Milsters Begleiter Jürgen Grimm der Orgel entlockt, ein einmaliges Hörerlebnis sind. „Musik ist die Verbindung zwischen Gott und Seele“, sagt Angelika Milster. Mit einer Mischung von klassischen, geistlichen und modernen Liedern tritt sie seit einigen Jahren verstärkt in Kirchen auf.
In ihrem Musical-Block schmettert Angelika Milster den Song „Gold von den Sternen“ der Baronin von Waldstätten aus dem Musical „Mozart“, tritt als Maria Magdalena („Jesus Christ Superstar“) auf und natürlich in ihrer Paraderolle als Grizabella mit „Erinnerungen“ aus „Cats“. Einer der Höhepunkte des Konzerts ist ihre Interpretation des Julie-Gold-Songs „From a distance“, die auch den letzten Besucher mit einem wohligen Schauer erfüllt.
Zwischen den Songs knüpft die oft als „warmherzige Diva“ betitelte Sängerin auch verbal den Kontakt mit ihren Fans. Erinnerungen an ihre Kindheit in Mecklenburg, ihre Abneigung gegen Kumpanei und gesellschaftliche Etikette, ihre Haltung zu Kollegen und zur Presse sind Themen ihrer Monologe, die das Publikum amüsiert und zustimmend mit Beifall quittieren.
Zum Abschied stimmt Angelika Milster das gemeinsame Abschiedslied „Der Mond ist aufgegangen“ an, bevor sie winkend und unter stehenden Ovationen die Bühne verlässt. · mks
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