Schwaförden - „Warum bin ich hier bloß hergekommen...“ Die Frage stellte sich schicksalsergeben lächelnd Karl-Heinz Klare, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, am Mittwochabend im Schwafördener Dorfgemeinschaftshaus: Knapp 50 Lehrkräften und Elternvertretern der Oberschule Schwaförden und der Grundschulen Scholen, Sudwalde und Mellinghausen stellte er das Gesetz zur Einführung der inklusiven Schulen in Niedersachsen vor, das voraussichtlich im März verabschiedet wird – und musste auf viele ihrer Fragen die Antwort schuldig bleiben.

© Foto: Behling
„Einsatz und Herzblut von den Lehrern“ erfordere die Einführung der inklusiven Schulen, sagte Karl-Heinz Klare. ·
Zum Schuljahresstart 2013/ 2014 beginnt die Inklusion, die allen Schülern, mit und ohne Behinderungen und Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung, den gleichberechtigten und barrierefreien Zugang zu allen öffentlichen Schulen ermöglichen soll. In einer Übergangsphase bis 2018 können Schwerpunktschulen benannt werden, beispielsweise für Kinder mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. „Grundsätzlich entscheiden die Eltern alleine und abschließend, an welche Schule sie ihr Kind schicken“, unterstrich Klare. Eine Kommission stellt die Höhe des Förderanspruchs eines Kindes fest – entsprechend erhalten die öffentlichen Schulen sonderpädagogische Unterstützung, zum Beispiel fünf Stunden pro Kind und Woche bei Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung. „In der Regel wird man nicht mehr als ein Kind pro Klasse haben, es kommt keine ‚Massenbewegung‘ auf die Schulen zu“, schätzt Klare. Mit Lehrgängen wolle man die Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen bis 2013 auf die inklusive Schule vorbereiten, die zieldifferenzierten Unterricht vorsieht.
„Wir fangen im Mai mit den Schulanmeldungen und Sprachstandserhebungen für das Schuljahr 2013/2014 an – ich kann die Eltern nicht beraten, ob sie ihr Kind in unsere Schule oder eine andere schicken sollen“, stellte Irmtraud Pallasch fest, überraschte Klare sichtlich: „Sie nehmen mir eine Illusion, ich dachte, das beginnt erst im September...“ Wie man denn reagiere, wenn alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf das Gymnasium besuchen sollen, erkundigte sich eine Teilnehmerin. „Ich glaube nicht, dass das leistbar wäre“, befand Klare. Alle Kinder „unter einem Dach“ beschulen, „das wäre Inklusion zuende gedacht“, stellte Schulsozialpädagogin Ingrid Langkau (OBS Schwaförden) fest. „Wir wollen nicht das anerkannte Förderschulsystem ‚schleifen‘ “, so Klare.
Was „das Ganze kostet“, werde man 2018 feststellen. „Es werden auch auf die Gemeinden Kosten zukommen“, formulierte es Karl-Heinz Klare, ergänzte allerdings: „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen, also wir als Land.“
Dies sei nicht sein Lieblingsgesetz, bekannte Klare, „aber wir sind alle gezwungen, es umzusetzen. Und wir erwarten dabei Einsatz und Herzblut von den Lehrern.“ · ab
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