018.08.10|Sulingen|Sulingen|
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Sulingen - LINDERN (ab) · Nudeln mit Zimt und Kirschen – was sich Jan Leutz (42) aus Bargteheide da zu Gemüte führt, kommentiert Gerd-Arthur Kaluschke-Peter (49) aus Schwedeneck trocken: „Das ist Nahrungsaufnahme, mit Essen hat das nichts zu tun.“ Klaus Erdmann (66) aus Karstädt komplettiert das Radsportler-Trio, das am frühen Dienstagnachmittag in Lindern neue Kräfte tankt: Das Feuerwehrhaus ist zum zweiten Mal Station des alle vier Jahre stattfindenden „Super-Brevet Hamburg-Berlin-Köln-Hamburg“, bei dem es eine Strecke von 1 527 Kilometern zu bewältigen gilt.

Machten sich gestern gut gestärkt wieder auf den Weg (v.l.): Klaus Erdmann, Gerd-Arthur Kaluschke-Peter und Jan Leutz.
Man fährt in Teams? „Ich werd’ die zwei nicht los“, lacht Kaluschke-Peter. „Wenn man über 70 Stunden auf dem Fahrrad sitzt, muss man sich auch mal unterhalten können – das geht mir jedenfalls so“, sagt Jan Leutz. Die eigene Leistungsgrenze auszuloten nennt Klaus Erdmann als Grund, sich dieser Herauforderung zu stellen. „200 Kilometer kann jeder fahren – bei 1 500 wird es schon ziemlich eng“, versichert Kaluschke-Peter. „Es ist ja kein Rennen, sondern ein Brevet: Alle, die im Zeitlimit ankommen, sind Helden.“ Und haben dann unter anderem den Harz, das Weserbergland und das Sauerland in den Knochen.
63 Teilnehmer starteten am Sonnabend um 6 Uhr in Großhansdorf bei Hamburg, darunter auch solche aus den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Italien und Griechenland. Als das Trio im Linderner Feuerwehrhaus rastet, haben drei Teilnehmer aufgegeben, und mit Jan Chudala ist der erste bereits wieder in Hamburg eingetroffen – nach 73 Stunden und 30 Minuten. „Er kam hier Montagabend gegen 18 Uhr an, hat sich nur eine halbe Stunde aufgehalten. Er wollte nicht einmal eine Banane, die sei nur ‚unnötiger Ballast‘ “, erinnert sich Ludger Franke. Er gehört zu dem ehrenamtlichen Betreuerteam des ausrichtenden Audax Club Schleswig-Holstein, das seit Sonntagabend in Lindern zu Gast ist.
„Wir hoffen, dass wir das Feuerwehrhaus in vier Jahren wieder nutzen dürfen – es ist wirklich eine sehr schöne Station, ruhig gelegen, die Teilnehmer haben hier gute Schlafgelegenheiten und wir können auf dem Grundstück zelten. Bis jetzt haben acht Teilnehmer hier ‚übernachtet‘ – nun ja, im Durchschnitt zwischen zwei bis drei Stunden geschlafen.“ Neben besagten Nudeln (zu denen es übrigens auch Soße gäbe...) hat das Team unter anderem Griesschnitten, Brötchen, Waffeln und Milchreis im kulinarischen Angebot, „der Eintopf mit Gemüse und Mettenden kommt besonders gut an“.
Das Trio, das in Lindern lediglich zum „Lunch“ eingekehrt ist, macht sich langsam wieder startklar. Jan Leutz muss noch ein Lob in Richtung der Veranstalter loswerden, die eine sehr gute Strecke ausgearbeitet hätten. „Und die Helfer an den Stationen haben immer gute Laune, sind mit Herz und Seele dabei. Viele von ihnen haben selbst Erfahrung mit Langstreckenfahrten, das macht schon einen Unterschied.“ Die Crew, die sich in Lindern um die Versorgung der Sportler kümmert – neun Erwachsene und Kinder investieren dafür bis Mittwochabend Urlaubs- beziehungsweise Ferienzeit – versammelt sich vor dem Feuerwehrhaus, um die drei mit einem anspornenden Applaus zu verabschieden. „Ihr seid toll“, bedankt sich Gerd-Arthur Kaluschke-Peter noch, und dann werden die „restlichen“ rund 210 Kilometer in Angriff genommen...
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