Deutschlandweit einmalige Aquakultur entstand auf dem Betrieb Schäfer in AffinghausenGarnelen – frisch vom Bauernhof
618.11.09|Sulingen|Facebook
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Affinghausen (ab) · 32 Grad Luft- und 30 Grad Wassertemperatur, eine Pool-Landschaft über drei Etagen. Klingt nach Urlaub, ist aber die neue Heimat der Weißen Tiger-Shrimps auf dem Hof Schäfer in Affinghausen, die vor zwei Wochen im Post-Larven-Stadium aus Florida einflogen. Mit ihrer Ankunft nahm die Garnelen-Aquakultur ihren Betrieb auf – laut Heinrich Schäfer die erste und einzige in ganz Deutschland.

Marco und Heinrich Schäfer betreiben jetzt die erste Garnelen-Aquakultur in Deutschland.
„Man konnte sie mit bloßem Auge kaum sehen, jetzt sind sie knapp zwei Zentimeter groß“, zeigt Schäfer einige Exemplare von Peneauus Vanamei, so der lateinische Name, in einem Glas. Nach fünf Monaten soll ein Exemplar etwa 30 Gramm auf die Waage bringen. „Wir wollen rund 20 Tonnen pro Jahr produzieren.“
Im Moment sind die „Weißen Tiger“ knapp zwei Zentimeter lang.Auf die ungewöhnliche Idee, wie man die Abwärme der beiden Biogasanlagen des Betriebes sinnvoll nutzen kann – trotz der Versorgung von sieben Wohnungen blieb noch eine Menge übrig – stieß Heinrich Schäfer vor zwei Jahren im Internet: Die Firma „Polyplan“ Umwelttechnik beschäftigt sich mit der Entwicklung von Systemen für die Erzeugung von Großgarnelen, in Zusammenarbeit mit dem Spezialisten Dr. Addison Lawrence von der Texas A & M University. „Bei ihm in Texas hat Marco vor anderthalb Jahren ein Praktikum absolviert – und war begeistert. Also haben wir uns entschieden, das Pilotprojekt mit ‚Polyplan‘ zusammen in Angriff zu nehmen.“ Es folgte der übliche Behördenweg, „Bauamt, Veterinärbehörde, was alles dazugehört.“ Zuschüsse gab es nicht und Schäfers stemmen das Projekt ohne weitere Investoren, „weil wir davon überzeugt sind. Der Markt ist da.“ Rund 100 Tonnen Garnelen würden pro Tag am Frankfurter Flughafen eintreffen, hauptsächlich aus Vietnam. „Dort werden für Aufzuchtbecken Mangrovenwälder gerodet und es kommen eine Menge Antibiotika und Pestizide ins Wasser“, weiß Heinrich Schäfer. „Wir produzieren ohne Einsatz von Medikamenten und sonstigen chemischen Zusätzen. Das hat oberste Priorität.“ Und wird überwacht und dokumentiert, dazu haben Schäfers einen Vertrag mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover abgeschlossen.
Die Aquakultur-Becken sind in drei Etagen angelegt.Die Tiere kämen auch mit Süßwasser klar, „aber Salzwasser hat Vorteile. Es lässt sich besser keimfrei halten und die Garnelen sind schmackhafter. Nachteil: Es ist aggressiver.“ Rund 200 Kubikmeter Salzwasser befinden sich in den Becken in der Konstruktion aus Holz und lebensmitteltauglichem Kunststoff, die drei Etagen umfasst. Die Anlage kommt mit einer Wasseraustauschrate von nur einem Prozent am Tag aus. Automaten versorgen die Garnelen mit einem patentierten Spezialfutter („unter anderem sind Erbsen, Sojaschrot und Algen drin“, verrät Schäfer). Jedes Becken hat einen Biofilterrand, Bakterien betätigen sich in einem Granulat mit extrem großer Oberfläche als „Saubermänner“. Was an organischer Trockensubstanz abfällt, wird in der Biogasanlage verwertet. Über Rohrleitungen wandern die Garnelen, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, ins nächste Becken – immer weiter, bis sie das Erntebecken ganz unten erreicht haben.
Als Abnehmer für die „Marella-Shrimps“, so der Markenname, sind Gastronomiebetriebe anvisiert, außerdem startet im März 2010 der Direktverkauf auf dem Hof Schäfer: „Für den Transport zum Endverbraucher geeignetes Eis produzieren wir vor Ort, die Kunden können sich die Tiere in Schaubecken selbst aussuchen.“ Garnelen – frisch vom Bauernhof.
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