„Die Stadt muss moderieren“

Fallstudie zum demografischen Wandel am Beispiel der Stadt Sulingen / „Identifikationen schaffen“

„Die Stadt muss moderieren“

021.11.09|SulingenFacebook
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Sulingen - (oti) · Sulingens Bürgermeister Harald Knoop hätte sich sicher einen Platz an der Tabellenspitze gewünscht. Klaus-Martin Hesse von der Forum GmbH musste ein Stück weit enttäuschen. Der Oldenburger stellte am Donnerstag im Sulinger Rathaus die Fallstudie zum demografischen Wandel vor.

Klaus-Martin Hesse von der Forum GmbH stellte die Fallstudie zum demografischen Wandel vor.

Klaus-Martin Hesse von der Forum GmbH stellte die Fallstudie zum demografischen Wandel vor.

Hesse mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis: „Die Nordkreis-Kommunen und Städte im Kreis schneiden am besten ab, Sulingen ist dabei im oberen Mittelfeld.“

Dennoch hob der Diplom-Geograf warnend den Zeigefinger: „Das enorme Wachstum des Landkreises seit 1987 beruhte ausschließlich auf so genannten Wanderungsgewinnen. Ohne Zuzüge von außen wäre der Landkreis seit 1987 nicht um 17 Prozent gewachsen, sondern um mindestens zwei Prozent geschrumpft.“ Zahlen, die durchaus auf das Mittelzentrum Sulingen zu übertragen seien. Die Einwohnerzahlen der Stadt Sulingen waren bis 1996 (12 651) rasch, dann bis 2005 (12 887) langsam gewachsen. Seit 2006 sinken die Zahlen wieder. Das Meldeamt der Stadt Sulingen hatte Ende des Jahres 2008 noch 12 793 Einwohner registriert. Bürgermeister Harald Knoop: „Dieser Trend setzt sich ungebremst fort.“

Nach Recherchen der Forum GmbH sei in den vergangenen 40 Jahren die Bevölkerungszunahme in der Stadt Sulingen ausschließlich auf Zuzüge zurückzuführen. Hesse sprach von einem „Geburtendefizit von fast 1 000 Personen“ für diesen Zeitraum. Und: „Sulingen verliert in zunehmenden Maße junge Erwachsene und damit potentielle Eltern an die Zentren, empfiehlt sich allerdings durch die doch ausgeprägte Infrastruktur für ältere Semester, gerade aus dem unmittelbaren Umland.“

Bezeichnend dafür seien die Entwicklungen in den Ortschaften: „Ländlich strukturierte Bereiche sind zum Teil erheblich geschrumpft; etwa Lindern. Ortsteile mit Innenstadtnähe wie Nordsulingen konnten sogar leichte Zuwächse verzeichnen.“

Hesse leitete aus den Ergebnissen der Recherche Handlungsempfehlungen ab: „Der Bedarf an altersgerechtem Wohnen wird steigen. Die Weichen für eine gesunde Siedlungsempfehlung müssen heute gestellt werden.“ In der sozialen Infrastruktur nehme die Stadt Sulingen durch Angebote wie die „Nachbarschaftshilfe“ oder das „Blaue Telefon“ eine Art Vorreiterrolle im Landkreis ein. „Da sind sie extrem gut aufgestellt.“

Bei der Weiterentwicklung von zielgruppenspezifischen Angeboten müsse die Stadt auch die heutigen Jugendlichen im Auge behalten. „Begeistern sie die jungen Menschen für Sulingen, schaffen sie Identifikationen. Dazu gehören auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze.“

Die Rolle von Rat und Verwaltung müsse sich wandeln. „Weg von der Planung zur Initiierung und Moderation von Entwicklungsprozessen“, sagte der Diplom-Geograf.

Helmut Weiß, Leiter der GLL-Sulingen, der wie andere Vertreter von Behörden, Kreditinstituten, Schulen und Verbänden an der Präsentation teilnahm, erinnerte an das Stadtmarketing: „Vieles von dem, was wir heute gehört haben, war bekannt, auch im Stadtmarketingprozess hatten wir entsprechende Projekte bereits angeschoben. Unglücklicherweise wurde das Buch inzwischen zugeschlagen.“

Bürgermeister Harald Knoop nahm den Ball auf: „Wir nehmen die Zahlen zur Kenntnis und werden im Januar gemeinschaftlich darüber sprechen, wie es weiter geht.“ Klaus-Martin Hesse nahm das zustimmend zur Kenntnis.

Die Fallstudie „Demografischer Wandel in der Stadt Sulingen“ ist Bestandteil eines Auftrages des Landkreises Diepholz. Dieser Auftraghat neben insgesamt acht eigenständigen kommunalen Fallstudien einen weiteren, übergreifenden Schwerpunkt, der die Erarbeitung von Vorschlägen für potenzielle interkommunale Modellprojekte als Reaktionsstrategie auf knapper werdende Ressourcen und stagnierende bis rückläufige Einwohnerzahlen beinhaltet.

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