Stuhr - Von Burkhard PetersDrei Wochen vor Weihnachten flattert der Büroangestellten Gisela Köhler plötzlich und unerwartet die Kündigung ins Haus. Die Stuhrerin, damals schon über 50 Jahre alt, verzweifelt. Heute, genau zehn Jahre später, ist sie Chefin des florierenden Unternehmens Wellgo, von dem sie nach eigenen Angaben gut lebt.

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Aufträge aus ganz Deutschland gehen bei Gisela Köhler in Stuhr ein. Ihre Körnerkissen, besonders die für warme Füße, verkaufen sich vor allem über das Internet und Handelspartner. ·
Rückblende: Der Stress um die Arbeitslosigkeit löst bei Gisela Köhler Rückenschmerzen aus. Ihr Mann schenkt ihr ein Körnerkissen, das die Beschwerden lindern soll.
Der Stuhrerin kommt die Idee, selbst solche Kissen zu nähen und damit den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Erste Recherchen im Internet fallen ernüchternd aus. Anbieter solcher Produkte tummeln sich 2001/2002 zuhauf auf dem Markt. Dennoch fertigt Gisela Köhler einige Kissen und bietet sie auf einem Kunsthandwerkermarkt an. „Schon mittags waren alle weg“, erinnert sich die Stuhrerin.
Der Erfolg bestärkt sie, trotz des gesättigten Marktes Körnerkissen in großem Umfang anzubieten. Übergangsgeld, das sie von der Agentur für Arbeit bezieht, erleichtert der Jungunternehmerin den Einstieg in die Selbstständigkeit.
Ein weiteres Plus: Die Firmenchefin braucht im Anfangsstadium nicht bei Banken um Kredite zu betteln. Die überschaubaren Mittel für Stoff und Körner streckt sie vor, um den Absatz ihrer Kissen braucht sich Köhler nicht zu sorgen. Sie engagiert Näherinnen, die die Waren für sie fertigen.
Im Laufe der Jahre hat sie ihren Gewinn in neue Stoffe und hochwertigen Weizen für die Füllung investiert. Den liefert die Mühle Landwehr in Weyhe in mehrfach gereinigter Qualität, so dass Gisela Köhler ihre Kissen auch an Krankenhäuser und Pflegeheime vertreiben kann.
Spezielle Körnerschuhe gegen kalte Füße, die Köhler auf Anregung von Kundinnen vor einigen Jahren ins Sortiment genommen hat, beflügeln den Absatz.
Die Unternehmerin betreibt vom Büro in ihrem Stuhrer Eigenheim die Akquise. Ihr Sohn André reist umher und besucht die Kunden. Außerdem fertigen
Arbeitsplätze
geschaffen
vier Näherinnen in Heimarbeit die Kissen. „Die Frauen können nebenher ihre Kinder betreuen“, erläutert dei Chefin. Auch ihr Mann, der in einem anderen Beruf arbeitet, hilft ab und an mit.
Worin sieht die Unternehmerin das Geheimnis ihres Erfolges? „Ohne großes Engagement geht es nicht“, sagt sie. Ein privater Urlaub war in den vergangenen zehn Jahren für die Köhlers nicht drin.
So langsam könnte die Kauffrau, mittlerweile über 60 Jahre alt, an den Ruhestand denken. Doch daran will die Powerfrau nicht denken, im Gegenteil. „Wenn mein Mann bald in Rente ist, legen wir mit Wellgo erst so richtig los.“
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