Stuhr - Von Silke WittrockÜber den Dächern Lissabons senkt sich die Sonne, und in den Kneipen und Restaurants lauscht man bei einem Glas Rotwein den Klängen der portugiesischen Gitarre. Auf diese musikalische Reise hat am Freitagabend das niederländische „Duo Fado Instrumental“ das Publikum im Stuhrer Rathaussaal mitgenommen.

© Foto: Husmann
Jan Dijker und Oliver Jaeger bilden da „Duo Fado Instrumental“. ·
Klar wie ein Eiskristall lässt Jan Dijker seine „guitarra portuguesa” erklingen und wird dabei begleitet von Oliver Jaeger an der spanischen Gitarre oder dem Bandoneon. Mit großer Ehrerbietung stimmte Jan Dijker nach jedem gespielten Stück seine Gitarre und zeigte damit den hohen Respekt, der dieses Instrument verdient. „Schnee“, eine Eigenkomposition von ihm, spiegelte diese Hochachtung wider und verzauberte damit das Publikum. „Nicht eine Geschichte hat mich bei der Komposition dieses Stückes inspiriert, sondern alleine das Instrument, deren Klangreinheit mich an eine unberührte Schneelandschaft erinnerte“, so Jan Dijker.
Traditionell handelt der Fado, der seinen Ursprung in den Armenvierteln Lissabons fand, von unglücklicher Liebe, den sozialen Missständen aber auch der Hoffnung auf bessere Zeiten. Aber nicht nur die Melancholie und die Romantik prägen diesen Musikstil, sondern auch Temperament und Lebensfreude.
Mit kleinen Geschichten zu jedem Lied führte Oliver Jaeger das Publikum durch das Abendprogramm. So erfuhren die Zuhörer von musikalischen Einflüssen aus Brasilien und Venezuela, die den Fado der Gegenwart mitgeprägt haben.
Ganz eigene Vorstellungen sollte das Publikum entwickeln bei dem Lied „La Ville“, der brillanten Eigenkomposition von Jan Dijker. „Stellen Sie sich vor, sie könnten eine Stadt erbauen, ganz so, wie sie sich diese wünschen, der Fantasie ist keine Grenze gesetzt“, forderte Oliver Jaeger die Zuhörer auf, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Türme errichten sich, Wasserfälle rauschen und ruhige Parkanlagen entstehen vor dem geistigen Auge des Publikums, allein inspiriert durch die klangliche Impression der beiden Musiker. Auch wenn das Bandoneon kein Instrument des tragitionellen Fados darstellt, so ist es doch eine gelungene Ergänzung, die in der portugiesischen Folklore ihren Platz gefunden hat.
„Magie der portugiesischen Gitarre – Guitarradas & Variações“, wie der Titel des zweistündigen Programms der Interpreten lautet, zog das Stuhrer Publikum in ihren Bann. Aber nicht alleine die klangliche Unvergleichbarkeit der portugiesischen Gitarre und die akustische Besonderheit des Bandoneons verzauberten, sondern vor allem die Virtuosität der beiden Musiker, die mit viel Gefühl und Hingabe ihre Instrumente spielten. Wer sein Publikum so begeistert, muss mit dem Wunsch nach mehr rechnen und so forderte die Zuhörerschaft mit ihrem Beifall zweimal eine Zugabe.
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