Stuhr - SECKENHAUSEN (dc) · Auf den ersten Blick wirkt das Schreiben der Firma „Jensen - Weise - Feldhaus“, das Heinz und Christine Gustafsson vor ein paar Tagen im Briefkasten hatten, durchaus seriös. Ein Eindruck, der sich beim Lesen allerdings schnell verflüchtigt. Das Unternehmen, laut Briefkopf auf Finanzdienstleistungen spezialisiert, bietet dem Seckenhauser Ehepaar eine Gewinnsumme in Höhe von 970,04 Euro an – Bedingung für die Auszahlung ist jedoch die Teilnahme an einer Busfahrt mit unbekanntem Ziel.

Heinz Gustafsson (71) hat sich über den dubiosen Brief der Firma „Jensen - Weise - Feldhaus“ gewundert und ist mit dem Schreiben zur Polizei gegangen.
Treffpunkt für die Abfahrt ist laut Brief am Donnerstag, 7. April, um 5.30 Uhr am Brinkumer ZOB. „Nehmen Sie sich an diesem Tag ruhig etwas Zeit, denn wir haben ein interessantes Rahmenprogramm für Sie vorbereitet“, heißt es in dem Schreiben des Unternehmens, das als Anschrift lediglich ein Postfach in Bethen (Landkreis Cloppenburg) angibt.
„Das klingt nach einer Lockung zu einer Werbe- oder Verkaufsveranstaltung“, sagt Staatsanwältin Dr. Carolin Castagna von der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Dort würden den Teilnehmern dann überteuerte Produkte zum Kauf angeboten. Für Castagna sind die Namen Jensen, Weise und Feldhaus nicht unbekannt. „Es ist ein Ermittlungsverfahren wegen Urkundenfälschung gegen dieses Unternehmen bei uns anhängig“, erklärt sie. Die Masche solcher Scheinfirmen sei dabei immer gleich: „Seriös aufgemachte Schreiben sollen vor allem ältere Leute dazu bewegen, an den Busfahrten teilzunehmen.“
„Wir haben von dieser Firma vorher noch nie etwas gehört – und jetzt wollen die uns Geld schenken? Das ist doch reiner Betrug“, betont Heinz Gustafsson. Der 71-Jährige ging vor ein paar Tagen mit dem Schreiben zur Polizei, viel machen kann er gegen die Briefkastenfirma allerdings nicht.
„Es ist ja nicht strafbar, solche Briefe zu verschicken“, erklärt Kommissar Jörg-Hermann Schäfer von der Weyher Polizei: „Wenn den Leuten Briefe komisch vorkommen, können sie damit aber jederzeit zu uns kommen.“
Auch die Verbraucherzentrale Bremen befasst sich mit entsprechenden Schreiben. Angesprochen auf „Jensen - Weise - Feldhaus“ sagt Gabriele Zeugner aus der Verbraucherrechtsabteilung: „Der Name sagt uns was – leider.“ Gerade in jüngster Zeit kämen vermehrt Menschen in ihr Büro, die Post aus Bethen bekommen hätten. „Mein Tipp ist: Nicht auf die Briefe reagieren und am besten gleich ins Altpapier damit.“
Man müsse sich die Anschreiben nur mal gründlich durchlesen, um zu merken, dass es sich um Abzocke handelt. „Ich mache meinen Beruf seit 32 Jahren. Seitdem beschäftigen mich auch solche Firmen. Geld von denen hat noch keiner unserer Klienten bekommen.“
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