219.10.11|Landkreis Diepholz|Landkreis Diepholz|2
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Von Katrin Pliszkaund Frauke AlbrechtBASSUM · Ab 2012 wird bei keinem Baby der Ort Bassum in die Geburtsurkunde eingetragen: Das Klinikum Bassum schließt seine Geburtshilfe-Station. Die Gynäkologie bleibt, Entlassungen gibt es keine. Das teilte der St.-Ansgar-Klinikverbund gestern mit. Die Redaktion hat mit Bassumern, Ärzten und Parteivertretern über die Nachricht und ihre Folgen gesprochen.

© Foto: Ehlers
Bedauern die Schließung der Geburtshilfe-Abteilung am Bassumer Klinikum: Chefarzt und ärztlicher Direktor Wolfgang Grzibiela (v.l.), die Pflegedienst-Leiterinnen Brunhilde Ebenthal und Annegret Stieglitz mit Thomas Pilz, Geschäftsführer des St.-Ansgar-Klinikverbundes. ·
Dr. Christoph Lanzendörfer, SPD-Fraktionsvorsitzender, sieht die Schließung kritisch. „Bei dem Umgang, der im Klinikverbund gepflegt wird, darf man sich nicht wundern, wenn kein Mediziner bereit ist, nach Bassum zu kommen“, sagt er und spricht damit die Trennung des Hauses von mehreren Ärzten an. „Der Klinikverbund hat einen schlechten Ruf. Das höre ich in Kollegenkreisen immer wieder. Ich wurde sogar auf einem Kardiologenkongress darauf angesprochen.“ Ob die Verantwortlichen ernsthaft versucht hätten, nach Alternativen zu suchen, vermag Lanzendörfer nicht zu sagen. Er habe davon nichts gehört. „Zudem habe ich auch keine Anzeigen im einzig in Frage kommenden Fachjournal, dem Deutschen Ärzteblatt, gesehen. Wir haben sieben erreichbare Frauenärzte in der Gegend. Da ist es nicht möglich, einen Verbund anzustreben?“
Der Mediziner vermutet wirtschaftliche Gründe hinter der Schließung. Die Geburtenzahlen seien unter die kritische Marke von 500 im Jahr gesunken. „Wir haben schon vor Jahren prophezeit, dass es soweit kommen wird. Aber da hieß es immer, ,Ihr könnt nur alles mies machen‘. Es sagt etwas über die Kompetenz der Verantwortlichen aus, wenn die einzige Geburtsklinik im Kreis schließt“, so der Lanzendörfer.
Bedauern und Unmut prägen die Reaktion des Gynäkologen Dr. Jörg Janzen aus Bruchhausen-Vilsen, der seit 27 Jahren praktiziert und als Belegarzt in Bassum arbeitet. „Wir wurden gestern informiert“, sagt er und ergänzt, dass den Belegärzten von der politischen Seite her ein „eiskalter Wind“ entgegenwehe. Die Belegabteilung sei nicht gewollt. „Der Trend geht zu höheren Entbindungszahlen. In zehn Jahren werden wir nur noch Klinikzentren haben mit 1 000 Entbindungen im Jahr und mehr“, ist Janzen überzeugt.
Auch er vermutet wirtschaftliche Gründe für das Aus. „Nach den Schließungen in Sulingen und Diep-holz sind viele Patienten nicht ins Bassumer Krankenhaus gegangen“, stellt er fest. Der Facharzt beobachtet, dass insbesondere jüngere Schwangere in Häuser wie Links der Weser und das Klinikum Mitte in Bremen abwandern, da dort eine Kinderklinik angegliedert ist.
Ihn stört, dass er und betroffene Kollegen erst am Montag informiert worden sind. „Klar regt sich da Unmut. Ich mache das seit 27 Jahren und sehe jetzt nach der Klinik in Hoya zum zweiten Mal eine Abteilung sterben.“ Er ist überzeugt, dass die Entscheidung schon vorab gefallen sei. „Ich erinnere mich an ein Zitat von Landrat Stötzel, wonach es schwangeren Frauen im Kreis durchaus zumutbar sei, zur Geburt auszupendeln“, so Janzen. Landrat Gerd Stötzel selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Bassums Bürgermeister Wilhelm Bäker hat gestern morgen von der Schließung erfahren. Daraufhin informierte er die Ratsvertreter. „Diese Mitteilung ist nicht erfreulich“, erklärt er. Die Entwicklung beruhe aber auch darauf, dass viele Bürger nicht die nächst gelegenen Krankenhäuser aufsuchen würden, sondern nach Bremen oder Vechta ausweichen.
Helmut Zurmühlen, Ratsherr der CDU, bedauert die Entwicklung und sieht die Gesundheitsversorgung im Kreis gefährdet. Dem schließt sich Helga Alves vom Bürgerblock an. Wobei die Vorsitzende betont, dass der Bürgerblock den Klinikverbund weiter unterstützen werde.
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