Bassum - Von Anke SeidelWarum ein Hebammen-geführter Kreißsaal keine Option für eine Geburtshilfe im Landkreis Diepholz ist, das erläuterte Wolfgang Plücker (Deutsches Krankenhaus-Institut) am Donnerstag im Gesundheitsausschuss. „Das ist eine Zusatzeinrichtung. Sie befindet sich in der Geburtshilfe. Sollte es ein Problem geben, muss sofort ein ärztlicher Geburtshelfer hinzugezogen werden.“

© Foto: Kollschen
Die Pinnwand vor dem alten Kreißsaal im Krankenhaus Bassum zeigt, wie sehr Hebammen und Bürger für den Erhalt der Geburtshilfe gekämpft haben – ohne Erfolg. ·
Auslastung, Ärztebedarf, Geburtenzahlen: Plücker stellte noch einmal Fakten zur Geburtshilfe in Bassum vor. Das Defizit betrage 547 000 Euro pro Jahr.
Lena Rahlfs, stellvertretende Vorsitzende der Bürger-Initiative, hatte zuvor kritisch nachgefragt: „Ist wirklich an einem Konzept für den Hebammen-geführten Kreißsaal gearbeitet worden?“ Initiativ-Mitglied Carsten Rust verteilte TINA-Handzettel, um das Totschlagargument „Es gibt keine Alternative“ (TINA= „There Is No Alternative“) zu entlarven. „Es gibt immer eine Alternative“, entgegnete Michael Albers (SPD), „die Frage ist doch, ob es eine umsetzbare Alternative gibt“. Darüber habe er mit seiner Frau diskutiert, die mit den Worten „Das könnt ihr doch nicht machen!“ auf eine endgültige Schließung reagiert habe. Das Ende der Diskussion mit ihr beschrieb er so: „Eine Lösung hatte selbst meine wunderbare Frau nicht.“
Ulrich Püschel (CDU) stellte unter dem Beifall aus dem Plenum selbstkritisch fest: „Wir haben die Alexianer ziemlich im Regen stehen lassen.“ Politik müsse jetzt deutlich machen, dass der Neubau der Psychiatrie in Bassum eine sinnvolle Lösung sei und dass man auch für Twistringen eine gute Alternative finden werde. Die hatte zuvor Heinz Borchers als Vorsitzender der Bürgerinitiative zum Erhalt des Twistringer Krankenhauses eingeklagt.
„Keinem von uns hier fällt es leicht, die Reißleine zu ziehen“, erklärte Hermann Niederwestberg (Bündnis90/Die Grünen) zur Schließung der Geburtshilfe. Aber es gebe keinen anderen Weg.
„Ein familienfreundlicher Landkreis hat keine Geburtshilfe mehr“, stellte Rolf Husmann als Vorsitzender der FDP-Fraktion verbittert fest. Die Größe des Landkreises sei das Problem. Er müsse eigentlich drei Stationen haben.
„Ich bin traurig, dass der Kreißsaal nicht mehr da ist“, erklärte Margret Werner aus Hemsloh als Zuhörerin, „ich habe dort selbst Jahrzehnte gearbeitet“. Deshalb sehe sie, was die Hebammen nicht geleistet hätten: „Nur 30 Prozent der werdenden Mütter sind nach Bassum gekommen. Da hätte man viel mehr machen müssen!“ Entrüstet zeigte sich die Kommunalpolitikerin über den Stil mancher Geburtshilfe-Aktivisten. Menschen zu diffamieren und zu verunglimpfen, sei völlig inakzeptabel.
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