Lemfoerde - REHDEN · Das ging richtig los, mit nackten Tatsachen… wie das wohl so ist, bei einem richtigen Ehebruch. Die Plattdeutsche Bühne Rehden begeisterte ihr Premierenpublikum mit knapp 190 Gästen in den Ratsstuben bis in die Zehenspitzen mit dem neuen Stück „Herr Mann – dat Düwelswiew“.

© Foto: Brauns-Bömermann
Im geplanten und gut vorbereiteten Ehebruch von Felix und Olivia steckt der Wurm. Irgendetwas stört immer. Es sind die Ameisen auf der Gartenliegenauflage oder das plötzlich von der Decke tropfende Wasser. Bis Felix den Klempner-Notdienst ruft und sich das Liebespaar entschließt, in ein Hotel zu fahren.
Gleich der erste Akt hielt, was die drei anderen bereits bei den Proben versprachen. Die Texte saßen wie eine Eins, Komik und Brillanz der Bühnenpräsenz bestachen. Dass sich der Ehebruch von Felix Hempel (Heiner Schultz) und seiner Geliebten Olivia Stahl (Heike Tenschert) nun gerade im Wohnzimmer auf der Ledergarnitur und aufgrund von Rückenproblemen mit zusätzlicher Auflage der Gartenliege vollzieht, lag in der Natur der Sache. Das Publikum sollte ja auch etwas davon haben!
Doch da hatte Felix die Rechnung vor lauter Liebestaumel in glänzender Boxershorts und schwarzen erotischen Socken nicht mit seinem Eheweibe Carola Hempel (Anke Sommer) gemacht. Oder besser: mit der „Ehekrisenberaterin“ Doris Gebhard (Petra Hüllmann), die von nun an ihre Freundin Carola nach dem entdeckten Ehebruch fortwährend in der Abwicklung einer gescheiterten Ehe unterwies. „Alle Keerls in een Sack und mit n´em Knüppel drauf“, lautet das Resümee der beiden verfrüht heimkehrenden Frauen.
Bei Feinmakerin Ingrid Kuhlmann kam es in den Pausen auf Können und Zeitmanagement an. Dosierung des Lippenstiftes, Rouge ja oder nein, Perückensitz, alles war zu bedenken.
Leiden und Verwirrspiel um echte oder unechte Klempner nahmen ihren gnadenlosen Verlauf. Der hitzige Seitensprung fand sein Opfer in Felix Rückenleiden, der reuevoll nach Hause zurückkehrt. Klara Schupp (Rita Schmidt) sucht als Kriminalpolizistin den Fahrer eines herrenlosen Fahrzeugs und Hannes Stahl (Heiner Kopmann) seine ihm abhanden gekommene Ehefrau.
Die „Toseggersche“ Gabi Bünte wusste in dem engen Kasten vor dem johlenden Publikum um die prägnanten Textstellen bei ihren Kollegen. Doch auch sie konnte das turbulente Spiel eher genießen, als einspringen zu müssen. Die Akteure der Plattdeutschen Bühne Rehden wuchsen über sich hinaus, sie amüsierten ihr Publikum aufs Beste. Hinter der Bühne wurde Luft geholt, sinniert und gelobt. Die beste Motivation für den nächsten anstrengenden Akt. Der reiche Dank war dem Ensembles sicher: Applaus, Applaus, Applaus und die Mund-zu-Mund-Propaganda für die nächste Vorstellung: Freitag, 10. Februar 20 Uhr. · sbb
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