219.09.09|Lemförde|Lemförde|
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Lemförde - Von Christa BechtelStehende Ovationen, Zugaberufe, pfeifen, ekstatischer Applaus und die enthusiastische Aussage eines Zuhörers „so etwas habe ich lange nicht erlebt!“ sorgten dafür, dass Jürgen „Atze“ Adlung, Klavier, und Uwe „Satchmo“ Trapka, Schlagzeug und Gesang, auch nach fast zweieinhalb Stunden mitreißendem Mix aus Boogie, Blues und Jazz noch mehrere Zugaben erklingen ließen...

Jürgen Adlung bot in Lemförde Tastenakrobatik pur. Fotos (2): Bechtel
Auf Einladung von KulturBunt gastierte das „Bleifrei Boogie Duo“ aus Erfurt im Rittersaal des Amtshofes in Lemförde. Warum Bleifrei? „Als der Boogie Woogie zu Beginn der 20er Jahre aufkam, wurde er in den Südstaaten der USA teilweise in sehr dubiosen Lokalitäten gespielt. Da konnte es schon mal sein, wenn der Pianist schlecht drauf war, dass er erschossen wurde. Also: bitte während der Darbietungen nicht auf den Pianisten schießen“, bat launig Uwe Trapka, der durch das Programm führte. Beim Boogie Woogie bestehe Mitwirkungspflicht! „Man nimmt die linke Hand hoch, gut“, lobte er die Zuhörer. „Dann nimmt man die rechte dazu, macht das Tempo.“ Und schon kündigte er ein Big Band-Stück an, „jedoch zu zweit gespielt, das geht nicht anders. Die Damen vom Background-Chor sind mittwochs immer trinken, und die Herren vom Bläsersatz sind im Häkelkurs – oder umgekehrt?“
Mit Glenn Millers „Chattanooga choo choo“ heizten sie sogleich das Publikum an, eine Strophe sogar im besten Dresdner Sächsisch! Musik, die wärmt, nicht nur die Herzen, sondern einige legten auch gleich Kleidungsstücke ab. „Genug der sächsischen Späße“, sagte Trapka nach „Ramona“ von den Blue Diamonds, und griff in die 'Mottenkiste' des Ragtime. Boogie habe auch ganz viel mit Eisenbahnromantik zu tun, meinte er, und schon erklang „The Night Train“, und Jürgen Adlung zelebrierte mit seinen gelben Schuhen, mit welcher Energie er Boogies spielt, überschüttete die Zuhörer mit Breaks und Bridges, so dass diese frenetisch klatschten, schnipsten, rhythmisch mit dem Kopf nickten oder einfach die Füße wippen ließen.
„Wollen Sie lieber Dresdner oder Leipziger Sächsisch hören“, fragte der Schlagzeuger die Gäste nach einem Päuschen und kündigte von George Gershwin „Lady Be Good“ an. Spätestens nach „What a Wonderful World“, natürlich im Boogie Woogie-Stil, wusste jeder, dass Trapka seinem Namen alle Ehre macht, indem er den legendären Louis „Satchmo“ Armstrong imitiert. Tastenakrobatik pur und wie viel Rhythmus er im Blut hat, zeigte Jürgen Adlung während einer Boogie Woogie Session: Er stand, sein Fuß hing halb über dem Flügel und die letzten Takte spielte er mit seinem Knie. „Wir haben eine neue Musikrichtung kreiert, Tatort Volksmusik“, erklärte Uwe Trapka. Als Kabinettstückchen folgte der „Schneewalzer“ als Boogie, bei dem kaum ein Auge trocken blieb und das Ganze mündete auch noch in die Boogie-Variation „Pink Panther“. Zu „The Fat Man's Boogie“, eigentlich das Schlusslicht, wurde die Mitwirkungspflicht dann erweitert – alle mussten mitsingen! Locker das Duo Bleifrei, das sich auf der Bühne gerade erst abzusprechen schien. Dass dahinter eine ausgereifte Show steckt, begriff der Zuhörer doch schnell: Da stimmte jeder Einsatz, beide brillierten durch ein kongeniales Zusammenspiel, zeigten jede Menge Improvisationstalent und immer hatte das Auditorium das Gefühl von Musik, die ein Lebensgefühl ausdrückt – Boogie Woogie eben!
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