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Einzelne „Perlen“ ein Erlebnis

Trio Limusin sorgt im Lemförder Rittersaal für einen (be)rauschenden Abend

Einzelne „Perlen“ ein Erlebnis

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Lemförde - Von Christa BechtelHatte das Trio Limusin es am Donnerstagabend im Lemförder Rittersaal geahnt, als es das Auditorium zur Pause aufforderte, die Deutschlandhymne für den Bundespräsidenten zu singen, dass Christian Wulff einen Tag später zurücktreten würde?

Kongenial und voller Spielfreude sorgten Ihno Tjark Folkerts (l.) und Suren Anisonyan für die Musik. ·

© Foto: Bechtel

Kongenial und voller Spielfreude sorgten Ihno Tjark Folkerts (l.) und Suren Anisonyan für die Musik. ·

Joseph Haydn hat in seinem populären „Kaiserquartett“ im zweiten Satz die Melodie verarbeitet, die später zur deutschen Nationalhymne wurde. Er griff die Melodie auf und verarbeitete sie in vier Variationen, mit denen die Besucher der Pause entgegen strebten….

Plüschig, samtig in den Farben Schwarz-Rot-Gold empfing ein extrovertiertes Bühnenbild direkt unter der Wandmalerei des Bischofs von Minden die Gäste im Amtshof, die diesmal im Halbkreis Platz nahmen. Mit ihrem „süffigsten“ Programm „In Vino Veritas“ gastierte dort auf Einladung des KulturBunts Lemförde das Trio Limusin, das aus der Begegnung des Musikerduos Ihno Tjark Folkerts, Violine, und Suren Anisonyan, Violoncello, mit dem Schauspieler Benedikt Vermeer 2002 entstand.

Mit der Aussage „die Realität ist eine Illusion, die durch den Mangel an Wein entsteht“, begrüßte Eva Völkening vom KulturBunt die Besucher im nur mit drei Scheinwerfern und einem Kandelaber beleuchteten Rittersaal. Man könne diesen Spruch auch umformen in: „Die Realität ist eine Illusion, die durch den Mangel an Literatur und Musik entsteht.“ Mangelerscheinungen in dieser Hinsicht hatten die gut 60 Gäste nach einem kurzweiligen und wie im Fluge vergehenden (be)rauschenden Abend sicher nicht mehr.

„Außer dem ‚Promille‘ am Schluss habe ich keinen Ton verstanden“, meinte Ihno Tjark Folkerts scherzend, nachdem die drei fulminant in den historischen Saal eingezogen waren und Benedikt Vermeer einen Text in Latein runter gerasselt hatte. Als der Schauspieler aus Bremen auch noch spezielle Dialekte ankündigte, die er sogleich in die Tat umsetzte, sagte Folkerts lakonisch: „Das kann ja heiter werden“.

Wahrlich heiter – der Wein spielte natürlich die Hauptrolle – wurde es mit absolutem Gleichrang von Sprache und Musik und mit literarischen Garanten wie E.T.A. Hoffmanns „Don Juan“ und später „Ritter Gluck“, Kurt Tucholsky’s Lamento „eines frisch aus dem Fenster gefallenen, leicht besoffenen Herrn“ oder ein Ausflug nach Babylon zu Heines „Belsatzar“. Benedikt Vermeer rezitierte mit Brillanz und einem feinsinnen Gespür für Mimik, Gestik und Stimmung. Kongenial und voller Spielfreude bereicherten Folkerts und Anisonyan die Literatur mit musikalischen Kleinodien, zum Beispiel mit zwei Sätzen aus Beethovens Duo F-Dur, Telemanns „Soave“ oder Bach´schen Miniaturen, die sie nicht nur abwechslungsreich gestalteten, sondern denen sie auch viele Facetten abgewannen. Zwischendurch nahmen sie sich immer wieder gegenseitig auf die Schippe und nicht selten bekam Folkerts von Anisonyan mit einer alten Gitarre einen Schlag auf den Hinterkopf. Solche Schläge sollen bekanntlich das Denkvermögen erhöhen!

„Diese einzelnen ‚Perlen‘ mal harmonisch, mal kontrastierend in einem Collier miteinander zu verknüpfen, zu einem gleichermaßen niveauvollen wie amüsanten Abend, das ist das Ziel unseres mittlerweile elften Programms“, erklärte das Trio, das mit dem nahen Miteinander von Sprache und Musik und drei Zugaben ein nicht so schnell vergessendes Erlebnis schuf.

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