Wagenfeld / Ströhen - Von Katrin Pliszka · Reinhold Grimberg ist im Stress. Bereits seit zwei Tagen habe er kein Bett mehr gesehen, erzählt der 56-Jährige. Die leichten Schatten unter den Augen hat er dem Nachwuchs zu verdanken.

Reinhold Grimberg mit neugeborenen Lämmern. ·
Grimberg ist quasi „mit den Schafen großgeworden“. „Mein Opa hatte immer 150 bis 200 Schafe“, sagt er.
Unter Grimbergs Hirtenschaft ist seine vierbeinige „Gemeinde“ größer geworden: 450 Muttertiere zählt er im Offenstall, dazu 110 Lämmer, die von Mitte Januar bis März das Licht der Welt erblicken. Die Tiere sind eine Kreuzung aus Bentheimer Landschafen mit Schwarzköpfen. Erstere ist eine anspruchslose, jahrhunderte alte Rasse, die schnell wächst und entsprechend weniger Fleisch bildet. Die Schwarzköpfe hingegen beschreibt er als massige Tiere, die langsamer wachsen, dafür aber das nötige Gewicht auf die Waagschale bringen.
Seinen Tieren gilt auch der erste Gang am Morgen. Dann gilt es, die Herde mit Heu und Gras-Silage und versorgen. Rund zwei große Rundballen gibt es am Morgen, einen oder zwei im Laufe des Tages. Auch die Tränken gilt es aufzufüllen. Dabei ist der Schäfer auf die Hilfe von Tochter Steffi und seines Bruders Jürgen angewiesen. „Sonst würde ich das gar nich schaffen“, gibt Grimberg zu. Zudem müssen die Zwilligslämmer in den Einzelboxen mit speziellem Kraftfutter versorgt werden. Dann geht es an die Einstreu, damit die Tiere warm und trocken stehen. Eigentlich sei er an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden im Einsatz, so Grimberg. „Selbst im Sommer gibt es viel zu tun.“ Dann dann müssen bei allen Tieren die Wurmkuren germacht werden, bevor sie auf die 130 Hektar große Pflegefläche im Renzeler Moor hinausgehen.
Auch hierbei ist der Bauernschäfer auf die Mithilfe seiner Familie angewiesen. Tochter Steffi kommt mit ihrem Hund „Rocky“ gerne vorbei, um mit anzupacken, doch auch sie kann es nur nebenbei.
„Vollzeit“ stehen dem Schäfer hingegen seine Hütehunde zur Seite. Die beiden Border Collies „Fay“ und „Rex“ sind Grimberg zufolge Profis, wenn es darum geht, die Schafe in den Stall zu treiben oder dem Schäfer zu helfen, sie auf eine Verladerampe zu bekommen. Schäferhund „Arko“ hingegen hält die Herde im Moor im Zaum. Er sorgt dafür, dass kein Schaf die Weidefläche verlässt und ausbüxt. Derzeit ist aber weiter Hofdienst mit Geburtshilfe angesagt.
Für den Weidetrieb muss das Wetter wärmer und das Gras wieder gewachsen sein, sagt Grimberg. Aber dann werden seine Schafe wieder als vierbeinige Landschaftspfleger im Moor zu sehen sein, wie sie die jungen Birken abnagen.
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