BASSUM/EYSTRUP · Reinrassiger Collie, 20 Euro! Diese Internet-Offerte machte Mitglieder von „Collie in Not“ stutzig. Sie meldeten sich – und entdeckten Ivanhoe, einen elfjährigen Rüden, in einem unsäglich erbärmlichen Zustand. Dass er heute ein fast normales Hundeleben führen kann, verdankt er dem gemeinnützigen Verein.

© Mediengruppe Kreiszeitung / Seidel
Collie Ivanhoe mit Klaus Koopmann.
Dessen Mitglieder entdecken immer wieder, dass sich hinter „Schnäppchen“ bei E-Bay & Co. Hunde mit Handicap oder aus schlechter Haltung verbergen. Um diesen Tieren ein neues Zuhause geben zu können, hat „Collie in Not“ mit Sitz in Westoverledigen bei Leer vier Pflegestellen eröffnet – darunter eine in Bassum und eine in Eystrup.
In Bassum traf sich Klaus Koopmann, der den Verein mit seiner Frau Margit führt, gestern mit den „Pflegemüttern“ Martina Borchers sowie Sigrid Ehmann – und zwei ganz besonderen Schützlingen, die dringend ein neues Zuhause suchen: Lovis, ein zwei Jahre junger Bearded-Collie, der freundlich jeden Besucher begrüßt. Er hat das Vertrauen in Menschen noch nicht verloren, obwohl er durch wer weiß wie viele Besitzer-Hände gegangen ist. Sein Lieblingsspielzeug ist ein Ball, hinter dem er vergnügt herjagt – und ihn mehr riecht als sieht: Lovis leidet unter einer unheilbaren Augenkrankheit, er erblindet. Möglichst schnell möchte „Collie in Not“ ihn in ein gutes Zuhause vermitteln, „damit er seinen Besitzer wenigstens noch einmal sieht.“ Arztkosten würden nicht entstehen, betont Sigrid Ehmann.
Immer wieder erleben die Helfer von „Collie in Not“, wie unvorstellbar grausam Menschen mit ihren vierbeinigen Schützlingen umgehen – wie mit Selina. Neun Jahre lang musste sie in einem Zuchtbetrieb Welpen um Welpen werfen. Völlig verstört („Sie ist ein psychisches Wrack“) kam die Hündin vor einer Woche zu Sigrid Ehmann. „Selina hat panische Angst in geschlossenen Räumen, sobald sich eine Tür schließt, fängt sie an zu schreien und ist nicht mehr ansprechbar“, heißt es in ihrem Pflegebericht. Sie habe unsägliche Angst vor fremden Menschen, und es werde ganz sicher noch eine Weile dauern, bevor sie als Familienhund vermittelt werden könne.
Einen neuen Besitzer mit Zeit und Geduld – das braucht auch Sheltie-Mix Sissy. Weil ihre ersten Herrchen ihr als Welpe keine Hundeerziehung beibrachten, wanderte sie von Familie zu Familie. „Ihr nächstes Zuhause muss ihr letztes sein“, heißt es in ihrem Pflegebericht.
Schätzungsweise 1 000 Hunde habe der gemeinnützige Verein seit der Gründung 1997 in gute Hände vermittelt, sagt Klaus Koopmann. Collies in Not melden ihm unter anderem Tierärzte, aufmerksame Hundefreunde – und sogar Besitzer selbst. „Es gibt immer mehr Beiß-Collies“, bedauert Koopmann. Das könne durch falsche Zuchtpaarungen genetisch bedingt sein, aber auch durch mangelnde Sozialisation von Welpen. Oft liege es am fehlenden Wissen der Halter. In solchen Fällen vermittelt der Verein Kontakt zu den Verhaltens trainern von „Animal learn“.
Weil „Collie in Not“ immer mehr unvermittelbaren Tieren ein Zuhause gibt, ist der gemeinnnützige Verein auf Spenden angewiesen (Kto. 109 175 992, Sparkasse Leer/Wittmund, BLZ 285 500 00). Weitere Infos im Internet. · sdl
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