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„Go!sieben“ in Seckenhausen zeigt, wie sich ehrenamtliche Arbeit in der Kirche wandelt

Hier bleibt die Orgel stumm

304.03.10|Landkreis Diepholz|Landkreis Diepholz|
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Artikel: Hier bleibt die Orgel stumm

LANDKREIS (kat) · „Freiwillige vor“ sagt der Volksmund, wenn es um ehrenamtliche Kirchen-Arbeit geht. Einst bat der Pastor seine „Schäfchen“, sich in die Gemeinschaft einzubringen. Diese folgten dem Ruf meist – wurden sie doch bei ihrer Ehre gepackt. Heute ist das anders: „Wir haben einen Wandel in der Motivstruktur“, sagt Gunnar Schulz-Achelis, Pressesprecher des ev.-luth. Kirchenkreises Syke-Hoya.

„Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten“: Die Ehrenamtlichen hinter „Go!sieben“.

„Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten“: Die Ehrenamtlichen hinter „Go!sieben“.

„Es geht weg davon, dass die Leute vom Pastor gefragt werden wollen, und hin zu der Tendenz, projektorientiert zu arbeiten“, berichtet Schulz-Achelis aus seinen Erfahrungen. Die Freiwilligen wollen Schulz-Achelis zufolge auch etwas von ihrem Einsatz haben und ihre Kompetenzen einbringen.

Heinz Janning, Leiter der Freiwilligen-Agentur in Bremen, stößt in dasselbe Horn. Er fasst zusammen, was Freiwillige von ehrenamtlicher Arbeit erwarten: Sie wollen die Chance, „eigene Neigungen und Fähigkeiten einzubringen“ und für sich selbst etwas sinnvolles tun. Ferner wollen sie die Chance haben, Ziele mitzubestimmen und die Möglichkeit zum Wechsel oder Austritt, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Ein Beispiel, das zeigt, dass solche Art der Freiwilligenarbeit Früchte trägt, ist „Go!sieben“. Dahinter steckt ein Gottesdienst-Konzept der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Seckenhausen. Es soll mit modernen Themen wie „Das Kreuz mit dem Kreuz“, „Glücklich vereint?“ oder „Auch Du wirst älter“ und vor allem ohne steifes Zeremoniell diejenigen ansprechen, die mit dem Kirchgang eigentlich nichts am Hut haben. Höhepunkt des jeweiligen Abends am ersten Freitag im Monat ist die Zusammenkunft nach dem Gottesdienst im Bistro. Seit dem ersten Gottesdienst in 2006 hat das Prinzip viele überzeugt: „Ist die Bude voll, kommen 150 bis 200 Leute   – das ist schon eine Menge“, freut sich Schmidt. Die Ehrenamtlichen mache der Einsatz für „Go!sieben“ stolz, so der Theologe. Er ergänzt: „Die Arbeit ist heute mehr projekthaft und zeitlich begrenzt.“ Gestaltet wird „Go!sieben“ von Männern und Frauen aus der Region. Sie bereiten in sechs Teams die Abende vor: Theater- und Gebetsgruppe, Band, Technik, das Bistro-Team und die Gruppe für die Kinderbetreuung. Die Fäden laufen bei Pastor Schmidt zusammen.

„Wir haben rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter in einem Pool, die sich in den Bereichen engagieren“, umreißt er die Struktur. Der größte Bereich sei mit rund 15 Personen die Theatergruppe, die für jeden Abend Stücke schreibt und einstudiert, passend zum Thema des Gottesdienstes. „Wir sprechen gezielt Leute aus dem Pool an, die wir uns in einer Rolle vorstellen können“, beschreibt der Pastor das Prozedere. Aber: „Wer gerade keine Zeit hat, muss nicht, das ist kein Problem“, betont der Theologe und räumt mit einer Sorge vieler „Neulinge“ auf: Die Freiwilligen wissen vorab, was von ihnen erwartet wird.

„Was wir bieten können, ist, dass wir ihre Lebenskompetenz stärken und dass sie ihre Fähigkeiten nutzen. Jeder Mensch hat außergewöhnliche Begabungen. Wir packen sie bei ihren Begabungen“, sagt Schmidt. „Für mich sind sie nicht Helfer, sondern Mitarbeiter, und sind auf gleicher Ebene.“

Diese Grundidee hat auch den 42-jährigen Seckenhauser Olaf Mammat überzeugt. Der Schlagzeuger spielt inzwischen fest in der Band mit – übrigens gemeinsam mit zwei Katholiken. „Ich bin eigentlich der Typ, der Kirche doof findet“, stellt der Hobbymusiker fest. Zu „Go!sieben“ sei er mal hingegangen, um sich die Sache anzusehen – und war von der Lockerheit begeistert. Ihm gehe es vor allem um den Spaß und die Musik.

Heike Lehmkuhl (45) aus Melchiorshausen ist seit zwei Jahren ehrenamtliche Leiterin des Deko- und Bistrobereichs. „Ich bin im Gottesdienst gewesen und habe persönlich sehr viel für die Seele mitgenommen“, erzählt sie. „Ich habe mich dann angeboten.“ Sie schätzt besonders, dass „man sich und seine Meinung einbringen“ kann.

Der nächste „Go!sieben“-Gottesdienst ist morgen Abend, 5. März, um 19 Uhr in der Martin-Luther-Kirche in Seckenhausen. Thema des Abends: „Glücklich ist, wer vergisst“.

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