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Hans-Jürgen Wachholz ist den Prämonstratensern auf der Spur

Faszinierende Klosterwelt

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Br.-Vilsen - Von Anke SeidelSie dauerte nur eine gefühlte halbe Stunde, die Zeitreise zu den heiligen Männern: So fesselnd spürte der geschichtsbegeisterte Journalist Hans-Jürgen Wachholz gestern im Forsthaus dem Prämonstratenser-Kloster auf dem Heiligenberg nach.

Hans-Jürgen Wachholz sorgt mit seinem Vortrag für ausverkaufte Säle. ·

© Foto: Seidel

Hans-Jürgen Wachholz sorgt mit seinem Vortrag für ausverkaufte Säle. ·

Tatsächlich verwob er eineinhalb Stunden lang eine Fülle von historischen Fakten mit Bildern, Biografien und Alltagsbeschreibungen aus der Zeit der Prämonstratenser, deren Kloster von 1215 bis 1543 auf dem Heiligenberg existierte.

Damit füllt der Journalist Säle: Zwei restlos ausverkaufte Veranstaltungen meldete Forsthaus-Chefin Adelheid Brüning, und Tourismusbeauftragte Jutta Filikowski hatte für den dritten Termin (morgen um 16 Uhr) nur noch Restkarten.

Warum gründeten die frommen Brüder ihr Kloster ausgerechnet auf dem Heiligenberg – und warum verschwand es spurlos, von einem Kelch und fünf Bibeln einmal abgesehen? Wachholz vermutet, dass der Heiligenberg mit seinen Quellen einst eine Thingstätte oder ein Quellenheiligtum war: ein mysthischer Ort.

Missionare des jungen Christentums waren die Prämonstratenser nicht, betont Wachholz, weil das Missionsstift Bücken zu nah lag. Sie gehörten einem Orden an, den Norbert von Xanten im 12. Jahrhundert gegründet hatte. Dieser wohlhabende Jüngling hatte ein ausschweifendes Leben geführt, „bis Gott ihn vom Pferd warf“. Fortan zog Norbert geläutert als Wanderprediger und selbst ernannter Heiliger durchs Land, brachte es in seiner wechselvollen Laufbahn in einer Zeit, „in der Päpste so schnell wechselten wie heutzutage Bundespräsidenten“ zu großem kirchlichen Ruhm. Er starb 1134. Aber das weit verzweigte Netzwerk, das er geschaffen hatte, blieb bestehen: „Als Schattenstaat im Staat.“

71 Jahre später standen auf dem 171 Hektar großen Gelände auf dem Heiligenberg eine Kirche („mit Orgel, damals höchst selten"), verschiedene Gebäude und Wirtschaftshäuser sowie zwei Wassermühlen. Ein großer Viehbestand und 27 Dörfer gehörten zum Kloster. Mit Bildern der Klosterruine von Hude, der Basilika Oldenburg (Ostholstein) und des Klosters Lehnin (Ostholstein), versuchte der Referent einen Eindruck vom möglichen Baustil auf dem Heiligenberg zu vermitteln. Die Prämonstratenser waren „Kopfarbeiter und Schreiberlinge“, bewies er mit Bildern vom blütenweißen Habit der Klosterbrüder, die mehr um das Seelenheil der Besitzenden besorgt gewesen seien als um das der Armen, die als Leibeigene verkauft wurden: „Menschenhandel und Christentum, das gehörte zusammen.“ Mit der Reformation brach eine neue Zeit an. Als Graf Jobst II von Hoya 1523 die neue Glaubenslehre verordnete, „biss er bei den heiligen Männern auf dem Heiligenberg auf Granit“. Über sie habe Albrecht von Brandenburg, ein mächtiger Mann, die Hand gehalten. „Vermutlich gab es dann einen Deal auf Chefebene“, so Wachholz. Denn 1530 verließ der damalige Abt Johann mit einem Teil des Konvents den Heiligenberg. „Fünf Jahre später ging alles auf die Reise“, so der Journalist. Wohin, weiß niemand. Es war Graf Albrecht von Hoya, der das verlassene Kloster mit einer solchen Wucht niederreißen ließ, dass nicht einmal die Grundmauern stehen blieben. Wachholz vermutet: „Hier hat sich eine über Generationen aufgestaute Wut über eine tiefe Demütigung entladen.“ Worüber, weiß niemand.

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