020.10.11|Landkreis Diepholz|Landkreis Diepholz|5
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Syke - „Überraschend“ ist die Information über die Schließung der Geburtsabteilung am Bassumer Klinikum für den Kreistag und die Fraktionsvorsitzenden gekommen, fasst der Vorsitzende des Kreistages, Dr. Dr. Wolfgang Griese zusammen. Auch er habe sich zunächst aus der Presse informiert.

Gerd Stötzel
„Ich denke, dass man im politischen Raum zu Ergebnissen kommen soll, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden“, betont er. Der Kreistag werde sich bei seiner heutigen Kreisausschuss-Sitzung mit dem Thema beschäftigen. „Man muss sehen, ob wir damit leben wollen, dass im Kreis keine derartige Abteilung mehr besteht.“
„Ich habe gehofft, dass es eine Lösung gibt, und dass man die Geburtshilfe in Bassum erhält“, sagt Volker Meyer, Aufsichtsratsmitglied im Klinikverbund und CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. Auch er hat am Montag von dem Entschluss erfahren. Überlegungen, wonach eine Kooperation oder die Akquise von Fachärzten angestrebt wurde, seien ihm zwar vorab bekannt gewesen, aber nicht der Weg, für den man sich letztlich entschieden habe. Meyer möchte die Schließung aber nicht als das Resultat eines Alleingangs von Aufsichtsratsmitglied Gerd Stötzel verstanden wissen.
Tragen muss die Entscheidung aber der gesamte Kreis. Griese zufolge sei es „ausgesprochen schade, dass es bei vier Krankenhäusern im Kreis nicht möglich ist, eine Geburtsabteilung zu haben“. Da die Geschäftsführung den Facharzt-Mangel als Ursache für die Schließung nenne, müsse man schauen, inwieweit die Klinik genügend getan habe, um Ärzte zu bekommen.
Für Landrat Gerd Stötzel, zugleich Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikverbundes, ist die Schließung eine harte, aber nötige „Notbremsung“, die bei der letzten Aufsichtsratssitzung am 6. September beschlossen worden ist.
Mit St. Ansgar mache man keinen Gewinn, sondern Verluste, sagt er und führt unter anderem die sinkenden Geburtenzahlen an. 70 Prozent der Schwangeren gehen zur Entbindung in andere Kliniken – diese Tendenz könne man nicht umdrehen, so der Landrat.
Den Fachärzte-Mangel sieht er als weiteren entscheidenden Grund für das Aus. „Selbst wenn Sie sagen würden, Sie führen die Klinik defizitär weiter – aber ohne Ärzte?!“ Stötzel betont mit Nachdruck, dass die Klinikleitung über relativ lange Zeit nach geeignetem Personal gesucht habe. Die Bedingungen für den Betrieb einer solchen Abteilung sind in seinen Augen schwierig angesichts dieser Rahmenbedingungen. „Die sind nicht so, dass wir das verantworten könnten“, stellt er klar. Gleichwohl könne er die „blöde Situation“ der Hebammen und die Ansprüche der werdenden Mütter im Landkreis nachvollziehen. · kat
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