119.10.09|Diepholz|Diepholz|
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Diepholz - Beim Vorstand des auch in Diepholz aktiven Vereins Lernen-Helfen-Leben (LHL) knallten die Sektkorken – bildlich gesprochen. Nach einem Vorlauf von drei Jahren wurde ein Projekt von LHL in Nigeria vom Klimabüro der Vereinten Nationen offiziell als CDM-Projekt nach dem Goldstandard anerkannt und registriert.

Gustav Schneider (2. Vorsitzender) und Heinz Rothenpieler (pädagogischer LHL-Mitarbeiter) mit dem Holz-Herd bei einem Probekochen hinter dem Agenda-Haus in Diepholz.
Konkret geht es um die Einführung von Holz sparenden Herden vom Typ SAVE80 in größeren Mengen in der Region um Kaduna im mittleren Nigeria.
Der von einem deutschen Ingenieur entwickelte Herd ermöglicht nicht nur eine Einsparung von Brennholz um 80 Prozent, dieser Herd verbrennt auch das Holz rückstandsfreier. Damit sind die Beeinträchtigungen, die durch den Rauch bei den üblichen offenen Feuern entstehen , nachhaltig gemindert.
Da dieser Herd aus hochwertigen Materialien gefertigt ist, um eine lange Nutzung zu ermöglichen, kann er in aller Regel nicht zum Gestehungspreis verkauft werden. Wie kann trotzdem dieser in Nigeria heiß begehrte Herd eingeführt werden? Erfreulicherweise gibt es seit einigen Jahren einen internationalen Handel mit Emissionsminderungszertifikaten, gemessen in Tonnen CO2, die vermieden werden. Je präziser es gelingt, die Vermeidung des Ausstoßes von klimaschädlichem CO2 nachzuweisen, desto höher ist der Preis pro Tonne.
Wenn man diese Schwierigkeit richtig einschätzt, ist das Projekt von LHL in Nigeria besonders anspruchsvoll, weil es im Bereich der Haushaltsenergie angesiedelt ist. Die Überprüfung vor Ort in Nigeria, die vom TÜV Nord durchgeführt wurde, war ein wesentlicher Teil eines mühsamen und langwierigen Prozesses bis zur offiziellen Anerkennung durch das Klimabüro.
Ein Projekt wie das von LHL, bei dem Geld aus Emissionsminderungszertifikaten für die Förderung von verbesserten Herden in einer großen Anzahl von Haushalten eingesetzt werden, ist bisher weltweit das erste. Üblicherweise werden solche Mittel eingesetzt beim Bau von Wasserkraft- oder Windkraftwerken oder bei verbesserten großindustriellen Anlagen. Ein Projekt wie das von LHL hingegen erfordert sehr viel Vorbereitung und kontinuierliche Kontrolle der Ergebnisse bei einer großen Zahl von Beteiligten.
Darum ist ein solches Projekt auch bei größeren Institutionen bisher nicht zu finden.
Ohne das Geld, das von der Klimaagentur atmosfair gGmbH in Berlin zur Verfügung gestellt wird, hätte das SAV80-Projekt von LHL in Nigeria keine Chance. So können die Herde mit einem Preisnachlass von 50 Prozent verkauft werden, und das auch in der Regel nur über Ratenzahlungen.
Das ganze Projekt wäre aber überhaupt nicht auf den Weg gebracht worden, wenn LHL nicht mit dem in Kaduna ansässigen Verein DARE einen kompetenten Partner gefunden hätte. Dieser Verein wurde von Yahaya Ahmed initiiert, einem Journalisten, der viele Jahre bei der Deutschen Welle in Bonn tätig war. LHL und DARE verfolgen mit ihrem gemeinsamen Projekt nicht zuletzt das Ziel, den Verlust von Wäldern in Nigeria zumindest zu verlangsamen.
Trotz seines Ölreichtums ist der wichtigste Energielieferant in Nigeria Holz.
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