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Ludwig Roshop blickt zum 90. Geburtstag auf sein Lebenswerk zurück

„Mein Hobby ist das Hotel“

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Barnstorf - Von Thomas SpeckmannEs gibt viele Beschäftigungen, die sich zur Freizeitgestaltung anbieten: Manche Leute haben eine Modelleisenbahn, andere sammeln Briefmarken. Um ein größeres Objekt handelt es sich bei Ludwig Roshop: „Mein Hobby ist das Hotel“, schmunzelt der Barnstorfer. Wohlwissend, dass es hier nicht nur um einen vergnüglichen Zeitvertreib geht, sondern um viel Arbeit. Der Betrieb im Herzen Barnstorfs ist das Lebenswerk des Ruheständlers, der heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Hotelier Ludwig Roshop aus Barnstorf feiert heute seinen 90. Geburtstag. ·

© Foto: Speckmann

Hotelier Ludwig Roshop aus Barnstorf feiert heute seinen 90. Geburtstag. ·

Der Jubilar wirkt glücklich und zufrieden, während er sich eine Tasse Ostfriesentee einschenkt und den Blick durch das Foyer des Hotels schweifen lässt. Dass an diesem Ort einmal Gäste aus aller Welt ein- und ausgehen würden, hätte Ludwig Roshop früher wohl nicht gedacht. Aufgrund der familiären Nähe zur Landwirtschaft hatten seine Pläne zunächst eine ganz andere Richtung. „Man musste damals einen Beruf lernen, der vorgeschrieben war“, sagt Ludwig Roshop, der sich gerne im technischen Bereich verwirklicht hätte.

Doch es war kein Wunschkonzert und somit zog es den gebürtigen Barnstorfer in die Landwirtschaft. Auf dem Hof Uhlhorn in Drentwede lernte der junge Mann alles, was ein Bauer wissen muss. Aber auch viel fürs Leben, wie Ludwig Roshop heute dankbar feststellt. Die Einberufung in die Wehrmacht hätte er sich hingegen gerne gespart; Kampf gegen Partisanen in Jugoslawien. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte der Soldat in Norddeutschland, wo er nach einer Verletzung interniert wurde.

Seine Rückkehr hatte sich im Ort rasch herumgesprochen. Nur zwei Tage später arbeitete er schon auf dem Hof Gothelmann, wo Hilfe gebraucht wurde. Dort war er zwei Jahre als Verwalter tätig, bevor er den Erbhof seiner Familie übernahm. Als im Jahr 1950 der erste Markt nach Kriegsende veranstaltet wurde, erweckte Ludwig Roshop eine alte Tradition zum Leben: Als einstige „Herberge zur Heimat“ verfügte sein Haus bereits seit 1862 über eine Schankkonzession und so wurden wieder die Bierfässer angestochen. Es war die Geburtsstunde der „Bürgerstuben“, die sich zu einem beliebten Treffpunkt im Ort entwickeln sollten.

Wenn sich die Gemeinde heute voller Dankbarkeit über die Ansiedlung der Wintershall äußert, dann kann Ludwig Roshop nur zustimmend mit dem Kopf nicken. Schließlich waren es vor allem die Herren der Erdölwerke, die Anfang der 50er Jahre in der Wirtsstube große Pläne schmiedeten und neben den Ölquellen auch die Zapfhähne sprudeln ließen. Dass der Gastronom zu dieser Zeit schon über eisgekühlten Schnaps verfügte, machte zusätzlich Laune. Hoch schlugen die Stimmungswogen, wenn sich der Gastwirt ans Klavier setzte oder seine Kartentricks vorführte. Der 1,87-Meter-Mann schaffte es mit bloßen Händen, ein Skatspiel durchzureißen und die Hälften dann gleich nochmal zu teilen. Stets beliebt war auch das Knobeln mit Streichhölzern, bei dem Ludwig Roshop nur schwer zu schlagen ist.

Engagement in der

Kommunalpolitik

Aus seinen Bürgerstuben wurde ein kleines Hotel mit 15 Betten, in denen sich viele Wintershall-Mitarbeiter niederließen, die nach der Einweihung des Verwaltungsgebäudes noch keine eigene Bleibe in Barnstorf hatten. Ludwig Roshop und seine Frau Inge, geborene Telthörster, reagierten auf die Nachfrage. Hand in Hand wurden die Kapazitäten erweitert, zusätzlich eine moderne Kegelbahn und ein Saal gebaut.

Doch dann erlebte der aufstrebende Gastronom einen Rückschlag: Als Ende der 60er Jahre der Ausbau der Autobahn erfolgte und der Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße nachließ, ging die Bettenbelegung spürbar zurück. Der Hotelier musste nach Auswegen suchen. Neues Oberwasser gewann er durch den Bau des Schwimmbades, das ihm jedoch einige schlaflose Nächte bereitete. „Das war die schwerste Entscheidung in meinem Leben“, sagt der 90-Jährige rückblickend. Doch sein Mut sollte belohnt werden. Das seltene Angebot sprach sich herum, lockte zusätzliche Gäste in den Hunte-Flecken.

In den Folgejahren baute Ludwig Roshop sein Geschäft weiter aus. Gleichzeitig engagierte er sich in der Kommunalpolitik, saß 32 Jahre im Fleckensrat und 25 Jahre im Samtgemeinderat, zeitweise als stellvertretender Bürgermeister. Hinzu kamen Ämter im Verwaltungsrat der Kreissparkasse und im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Und wer ein großes Bad im Haus hat, bringt natürlich alle Voraussetzungen für den Vorsitz im Schwimmverein mit. Obwohl: Das Schwimmen hat Ludwig Roshop erst im Alter von 40 Jahren gelernt. Er sei als Kind in der Hunte fast ertrunken und habe lange Zeit das Wasser gescheut, verrät der Jubilar. Erst als sein ältester Sohn Ludolf das Schwimmen lernte, zog auch der Vater mit.

Der Junior besuchte die Hotelfachschule und stieg später in den Familienbetrieb ein. Damit war die Zukunft des Hauses gesichert und eine Erweiterung auf 110 Betten möglich. So ist aus dem einstigen Ein-Mann-Betrieb ein Vier-Sterne-Hotel mit 32 Mitarbeitern geworden. „Was ich gemacht habe, ist gelungen“, stellt Ludwig Roshop fest und fügt im gleichen Atemzug hinzu: „Allein hätte ich das nicht machen können. Meine Frau hat mich immer unterstützt.“ Aus diesem Grund spricht der Jubilar auch von „unserem“ Hotel, hinter dem die ganze Familie stehe.

Angesichts des Full-Time-Jobs waren Urlaube mit den Kindern Ludolf und Bernd nur schwerlich möglich. Erst in späteren Jahren, als der Junior im Hotel die Stellung hielt, konnten sich Ludwig und seine Inge die Auszeiten gönnen. Beliebte Reiseziele: Westerland und Tegernsee. Nicht nur hier zeigte sich die Freude am Autofahren. Auch für seine fünf Enkel Kristina, Mark, Lars, Kai und Gina stellte sich Opa gerne als Chauffeur zur Verfügung.

Noch lieber als hinterm Steuer sitzt der Jubilar allerdings in einem Sessel im Hotel. Dort ist der Senior jeden Tag dicht am Geschehen, kann in der Rezeption aushelfen und behält den Kontakt zu den Gästen, die Teil seines Zuhauses sind. Es ist sein Lebenswerk, das den 90-Jährigen mit gewissem Stolz und vor allem Zufriedenheit erfüllt: „Ich habe noch keinen Tag bereut, dass ich das Leben so geführt habe.“

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