Diepholz - Krähenkolonien werden oft von benachbarten Bewohnern menschlicher Siedlungen als Plage empfunden: Der Kot und vor allem der Krach, den die Vögel verursachen, stört die Menschen. In Diepholz versucht die Stadt seit einigen Jahren, diese Vögel zu vergrämen; zunächst durch die Feuerwehr, die die Nester vor der Brutzeit aus den Bäumen spritzte, und nun seit geraumer Zeit durch „Beschießen“ mit Vogelschreckmunition.

© Foto: Jansen
Krähen bei der Nahrungssuche gestern Mittag auf einer Wiese an der Steinfelder Straße. Die Stadt Diepholz zählte jetzt 349 Nester im Stadtgebiet. ·
Die Krähen kratzt das wenig. Sie lassen sich kaum vertreiben, wie Stadtverwaltungs-Mitarbeiter Andreas Hehmann dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt berichtete.
Vor einer Woche hatte die Stadt die Krähen im Stadtgebiet zählen lassen und kam dabei auf 349 Nester. Etliche dürften aber schon während des letzten Sturms aus den Bäumen gefallen sein.
Andreas Hehmann unterschied die Krähennester im Stadtgebiet außerhalb der Vergrämungsbereiche (Fliegerhorst, entlang der Bahnlinie hinter dem Hagebau, am Vorwerk und dem Schulzentrum) mit zusammen 186 Nestern und dem eigentlichen Vergrämungsbereich mit 163 Nestern.
Im Vergrämungsbereich befindet sich die größte Kolonie mit 70 Nestern nach wie vor auf der Schlossinsel. Weitere Nester gibt es an der Lüderstraße/Bruses Hof (50), am Krankenhaus (16), an der Niedersachsenstraße (15), am Mühlenkampstadion (9), und am Marktplatz/Bremer Eck (3). Völlig vergrämt sind die Krähen lediglich am Friedhof.
Einst waren Saatkrähen vom Aussterben bedroht. In den vergangenen Jahren haben sie allerdings stark zugenommen. So gab es im Landkreis Diepholz im Jahr 2001 noch 1300 Brutpaare, 2010 waren es bereits 2100. Ein großer Teil hielt sich ausschließlich in der Kreisstadt auf, und das sehr zum Ärger der in der Nähe wohnenden Menschen.
In Diepholz setzt die Stadt daher seit wenigen Jahren auf das „Beschießen“ mit Vogelschreckmunition durch ehrenamtlich Tätige. Im Frühjahr ziehen diese frühmorgens täglich mehrere Wochen lang zu den Nestern und feuern die mit einem Trichter versehene Schreckschusspistole ab. Das Geschoss explodiert dann in einer Höhe von etwa zehn Metern. Das Geknalle wird von den menschlichen Anwohner wohl eher akzeptiert als das Gekrächze der Vögel. Im Fall der Schlossinsel stellte die Stadt ja schon ein deutliches Zurückweichen der Krähen auf andere Bereiche fest.
„Krähenklatschen“ seien eine andere Methode zum Vergrämen, meinte Hehmann. Sie bestehen aus zwei Holzbrettern, die mit einem Zugseil vom Boden aus zusammengezogen werden können.
Das Prinzip: „Jeder Spaziergänger, der sich von Krähen belästigt fühlt, könnte im Vorbeigehen daran ziehen.“ · up
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