20 Jahre Mauerfall: DDR-Zeitzeugen berichteten Schülern der Graf-Friedrich-SchuleGrenzanlagen mit abgebaut
510.11.09|DiepholzFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A
Diepholz - (ej) · Stacheldraht zusammenrollen, Mauerteile fortschaffen: Kay-Uwe Fiedler hat 1989 geholfen, die Grenzanlagen zwischen der DDR und der Bundesrepublik abzubauen. Damals war er Wehrdienstleistender bei der NVA. Gestern war er als Zeitzeuge im Diepholzer Gymnasium Graf-Friedrich-Schule (GFS).

Ausweise, Bücher und Gegenstände aus der DDR hatten diese drei Zeitzeugen des Mauerfalls vor 20 Jahren gestern mit in den Unterricht der GFS gebracht: (von links) Uta Ehlert, Kay-Uwe Fiedler und Christina Mählmann.
Beim EU-Projekttag „20 Jahre Mauerfall“ berichtete er mit weiteren damaligen DDR-Bürgern über Leben und Erfahrungen im „real existierenden Sozialismus“.
Heute lebt Kay-Uwe Fiedler in Drebber. Der 39-jährige Kommunikationselektroniker stammt aus Rostock. Noch am 1. November 1989 musste er seinen Wehrdienst antreten.
„Am 9. November, als die Mauer fiel, wusste niemand unserer Verantwortlichen, was man mit uns anfangen sollte“, erinnert sich Fiedler. Es war chaotisch. Und schon am nächsten Tag tauchten in der Kaserne West-Zeitschriften auf...
DDR-Süßigkeiten, die heute noch produziert werden, probierten diese Schüler innen gestern beim Projekttag „20 Jahre Mauerfall“ in der GFS.Doch der Wehrdienst ging weiter. Wenige Wochen später wurde der damals 19-Jährige an einen Standort östlich von Lübeck versetzt, räumte dort als Pionier die Grenzanlagen weg. Seinen ursprünglich 18-monatigen Wehrdienst musste er nur noch zum Teil ableisten. Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Wiedervereinigung, war vorzeitig Schluss. Kay-Uwe Fiedler berichtete gestern im Unterricht der zehnten GFS-Klassen über das Schulsystem der DDR, Förderung von Sportlern (er selbst war ein Jahr als Fußballer in der Jugendsportschule von Hansa Rostock), über Mitgliedschaft in der FDJ und bei den Jungen Pionieren. Die Referate von Schülergruppen, die sich zum Projekttag mit unterschiedlichen DDR-Themenbereichen wie Schule, Jugend, politisches System und Musik beschäftigt hatten, ließen bei Kay-Uwe Fiedler manche Erinnerung wieder wach werden.
„Ich hab mir ein Ost-Paket schicken lassen“, lachte Uta Ehlert, die zweite Zeitzeugin in dieser GFS-Klasse. Waren damals bei DDR-Bürgern Pakete von Verwandten mit Westwaren sehr beliebt, so hatte die 51-Jährige für ihren Unterrichts-Besuch in Diep holz DDR-Süßigkeiten besorgt, die heute noch produziert werden – wie „Halloren“ (Pralinen), „Zetti Schlager Süßtafel“ (Schokolade) und „Pfeffi“-Bonbons. Schüler und Lehrer durften probieren.
Den Mauerfall in Berlin hat Uta Ehlert knapp verpasst. Die studierte Verkehrsfachfrau der DDR-Reichsbahn war zwar am 9. November 1989 dienstlich in der Hauptstadt, nahm aber dann abends doch kurz entschlossen einen Zug nach Hause in Thüringen.
Heute lebt die frühere DDR-Bürgerin in Stemwede und ist Mitarbeiterin der Nordwestbahn.
Auch die GFS-Lehrerin Christina Mählmann stammt aus der DDR. Sie lebte zum Zeitpunkt des Mauerfalls in Greifswald.
Wie die anderen Zeitzeugen hatte sie gestern Utensilien und Papiere der Deutschen Demokratischen Republik mitgebracht: Ausweise, Bücher, DDR-Mark und Spielzeug.
Als weitere Zeitzeugin hatte sich Liana Kliemannel für den GFS-Projekttag zur Verfügung stellt. Sie lebt heute in Lemförde.
Die Schüler hatten im Vorfeld auch eine Umfrage in Diepholz zum Mauerfall gestartet.
Eines der Ergebnisse ist wenig überraschend: Alle Befragten freuen sich über den Fall der Mauer.
zurück zur Übersicht: Diepholz