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Stötzel: „Nächstenliebe ist möglich und notwendig“

Ehemaliger Landrat eröffnet die Seminarreihe „Wir und die Kirche heute“

Stötzel: „Nächstenliebe ist möglich und notwendig“

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Martfeld - Er sprach zum Thema Nächstenliebe und hielt sich mit kritischen Worten nicht zurück: Am Mittwochabend offenbarte sich der ehemalige Gerd Stötzel als „Kirchenorganisationskritiker“, wie ihn Martfelds Pastor Horst Wortmann bezeichnete. Damit eröffnete Stötzel die diesjährige Seminarreihe „Wir und die Kirche heute“ der Kirchengemeinden Martfeld und Schwarme in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.

„Nächstenliebe ist kein Auslaufmodell“, findet der ehemalige Landrat Gerd Stötzel. ·

© Foto: gru

„Nächstenliebe ist kein Auslaufmodell“, findet der ehemalige Landrat Gerd Stötzel. ·

Unter dem Motto „Was hat die Kirche zu bieten – was erwarten wir von ihr ?“ beschäftigte sich Stötzel in der Martfelder Kirche mit dem „Handeln der Kirche“, dem er nicht immer nur Positives abgewann. Zunächst schilderte er freimütig seine persönlichen Erfahrungen als bekennender Christ, der damit hadert, mit zwei Ehen gescheitert zu sein, aber auch erfahren hat, dass „das Christentum mir über Klippen hinweg geholfen hat. Aber das hat nichts mit Kirche, sondern mit Glauben zu tun“.

Er habe immer viele Fragen gehabt, sagte Stötzel, die er als Jugendlicher in der Kirche aber nicht stellen durfte. Später, schon im Amt als Gemeindedirektor, durfte er nicht den Kirchenvorstand mitwählen, weil ihm dies als Mitglied einer evangelisch-reformierten Gemeinde in der neuen evangelisch-lutherischen Gemeinde nicht erlaubt war. Als Gemeindedirektor Land von der Kirche kaufen zu müssen, sei ebenfalls nicht einfach gewesen, erinnerte sich der ehemalige Landrat.

Nach seiner Kirchenschelte wandte sich Stötzel der Nächstenliebe zu, die seiner Ansicht nach „kein Auslaufmodell“ sei, doch „die Zahl der Anbieter werde immer kleiner“. Dabei seien die Bedingungen, die oder den Nächsten zu lieben, immer besser geworden: „Weil es uns immer besser geht.“

Das Bedürfnis nach Nächstenliebe schätzte er als gewachsen ein. Jedoch sei „in Zeiten des Internets die Welt kleiner und auch manchmal ärmer geworden“ – und auf jeden Fall seien die Menschen unsicherer, meinte Stötzel: „Denn sie werden jede Minute über alles informiert, was auf der Welt passiert.“

„Nächstenliebe ist möglich und notwendig“, sagte er, und müsse in der Kirche nicht nur gepredigt, sondern auch praktiziert werden. Er empfahl, „ein Lächeln zu schenken“. Dies sei schon der Anfang der Nächstenliebe. Trotz seiner Kritik an der Organisation Kirche erklärte Stötzel, dass er demnächst für den Kirchenvorstand in Bassum kandidiere – und dass er noch eine Lektoren- und Prädikantenausbildung machen wolle.

Ihre Fortsetzung erlebt die Seminarreihe am Mittwoch, 15. Februar, mit einem Referat des Friedensbeauftragten der evangelischen Kirche, Pastor Renke Brahms aus Bremen. Er spricht über den Glauben der Christen: „Was brauche ich davon zum Leben ?“. Beginn ist um 20 Uhr in der Martfelder Kirche. · gru

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