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Ehemaliger Ü-Wagen von Radio Bremen steht nun in Bruchhausen-Vilsen

Geschichte auf vier Rädern

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Bruchhausen - Von Ulf KaackBR-VILSEN · Wie ein verletzter Saurier steht er unter der Remise am Ortsrand von Bruchhausen. Dunkelblau, riesig und mit den unübersehbaren Spuren der vergangenen fünf Jahrzehnte: ein Borgward B 544 mit klobig anmutendem Aufbau. Der archaische Gigant ist ein Einzelstück mit einer spannenden Vergangenheit: Er ist der ehemalige Übertragungs-Wagen von Radio Bremen.

Kreiszeitung Syke

© ksy

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Gefunden hat ihn Gerd von Hollen, Liebhaber klassischer Nutzfahrzeuge, bei einem Lkw-Sammler im Nachbardorf: „Der hatte kein Interesse an dem alten Borgward. Ich habe das Unikat dann übernommen, um es vor der Schrottpresse zu bewahren. So richtig Verwendung habe ich bisher auch nicht für den Hörfunk-Veteranen, aber er steht erst einmal sicher und trocken. Wichtig ist, dass das historisch wertvolle Einzelstück erhalten wird.“

Ein Blick in den Brief verrät: Bei dem betagten Lkw handelt es sich um einen Borgward B 544, der am 14. Januar 1961 von Radio Bremen erstmals zugelassen wurde. Eine selbstfahrende Arbeitsmaschine „Aufnahmewagen FFF DA 41“ schrieben ihm die Behörden seinerzeit für den steuerfreien Betrieb in die Papiere.

Im Führerhaus thront ein gewaltiger 6-Zylinder-Dieselmotor vom Typ D6M5 II mit 4 962 Kubikmeter Hubraum zwischen Fahrer und Beifahrer. 110 PS leistet das Aggregat. Borgward hat seinerzeit das Fahrgestell mit Motor und Kabine geliefert, der Koffer-Spezialaufbau wurde von dem Bremer Karosseriehersteller Thiele nach den Wünschen von Radio Bremen gebaut.

Die Geschichte des Ü-Wagens liegt in weiten Teilen im Dunklen. Der Fahrzeugbrief verrät lediglich, dass der Borgward 1977 von einer 23-jährigen Bremerin zugelassen wurde.

Doch Dietram Köster, der von 1966 bis 2000 als Tontechniker und Toningenieur bei Radio Bremen arbeitete, kann sich noch gut an den Ü-Wagen in seinen ersten Berufsjahren bei dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender erinnern: „Bis zu seiner Außerdienststellung im Jahre 1973 war ich für die Sendung „Bremer Container“, für die Jazzredaktion und andere Redaktionen mit dem Borgward unterwegs.“ Konzerte, unter anderem aus dem Dom, wurden darin aufgenommen.

Zur Ausrüstung des damals weinrot lackierten Fahrzeuges gehörten zwei Magnetophone sowie ein Sechskanal-Mischpult, das durch zwei zusätzliche Kanäle erweitert war. Aufgezeichnet wurde ausschließlich in Mono, für Stereofonie war die Technik im Ü-Wagen nicht ausgelegt. „Kompliziert wurde es, wenn wir im Schnoor Aufnahmen machen mussten“, erinnert sich Köster. „Mit dem riesigen Fahrzeug in den engen Gassen des Altstadtviertels zu manövrieren war ein nervtötendes Geduldsspiel. Ich bewundere heute noch das Können der Ü-Wagen- Fahrer.“

1973: „Ende

einer Ära“

„Das Interieur unseres Borgward war zweckmäßig und komfortabel gestaltet“, blickt Dietram Köster zurück. „An der rechten Seite der Aufnahmekabine befand sich ein bequemes Ledersofa. Anlässlich großer, überregionaler Ereignisse wie Wahlen, Parteitagen oder Sportveranstaltungen schickten sämtliche Rundfunkanstalten ihre Ü-Wagen. In den Pausen und nach Feierabend waren oft Kollegen anderer Sender bei uns zu Besuch, weil es so gemütlich war.“

Die Fahrerkabine des Borgwards war von dem hinteren Aufnahmeraum und gegen Außengeräusche schalldicht abgetrennt. Nicht mal eine Tür verband den vorderen mit dem hinteren Fahrzeugbereich. Bei Livesendungen fungierte der Platz von Fahrer und Beifahrer als Sprecherkabine. Im November 1973 war der Ü-Wagen, mittlerweile nur noch als Reservefahrzeug im Dienst, drei Tage in Hamburg anlässlich des CDU-Parteitages auf Sendung. „Mein letzter Job mit dem Fahrzeug“, erzählt der Toningenieur. „Nach meiner Erinnerung sogar der letzte Einsatz des Borgwards überhaupt. Alles funktionierte reibungslos. Mit unserem Reportage-Tonbandgerät zeichneten der Zeitfunkredakteur Jürgen Franke und ich ein Interview mit dem späteren Bundespräsidenten Karl Carstens auf. Nach dem Ende der Übertragungen hatten wir Bedenken, dass der Motor nach dem langen Stehen in der Novemberkälte nicht mehr anspringen würde. Aber zuverlässig wie immer nahm der dicke Diesel seinen Betrieb auf und machte seine letzte Dienstreise zurück nach Bremen. Das Ende einer Ära.“

Was nun aus dem Hörfunk-Giganten werden soll? Besitzer Gerd von Hollen: „Eine Komplettrestaurierung käme einer Lebensaufgabe gleich, zumal die Beschaffung der Sendetechnik zur Wiederherstellung des Originalzustandes allein schon ein kaum lösbares Problem darstellt. Auf jeden Fall will ich ihn fahrbereit machen. Möglicherweise findet sich auch ein Spezialsammler oder ein Museum, der das Mammutprojekt in Angriff nehmen will. Hauptsache der Ü-Wagen bleibt der Nachwelt erhalten.“

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