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GEMA-Gebühren zu hoch: Bis auf zwei Ausnahmen in diesem Jahr keine Musik mehr in der „Kastanie“

Erwing Rau friert Konzerte ein

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Hollen - Erwing Rau zieht die Notbremse: Wegen der aus seiner Sicht überzogenen Gebühren der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) friert der Programmplaner der Hollener Kulturkneipe „Kastanie“ seine Konzertveranstaltungen bis zum Jahresende ein. Einfrieren heißt aber nicht abschaffen. Rau setzt auf eine Petition, in der Künstler den Bundestag auffordern, das Handeln der GEMA zu überprüfen.

Erwing Rau kann die GEMA als Künstler und als Veranstalter beurteilen. Archivfoto: privat

Erwing Rau kann die GEMA als Künstler und als Veranstalter beurteilen. Archivfoto: privat

Geht der Verein GEMA im Sinne des Grundgesetzes, des Vereinsgesetzes und des Urheberrechts vor ? Dies möge der Bundestag vor dem Hintergrund unter anderem der Berechnungsgrundlagen für Kleinveranstalter, der Tantiemenberechnung für die GEMA-Mitglieder (Künstler) und der Transparenz hinterfragen. Die Zahl von 50 000 benötigten Unterschriften ist längst überschritten. Bis gestern Abend, 20 Uhr, hatten über 97 600 Personen gezeichnet, Erwing Rau war einer der ersten.

Als Künstler und Veranstalter kann Rau die GEMA von beiden Seiten beurteilen. Er begrüßt den Zweck des Vereins, der laut Paragraph 2 seiner Satzung den „Schutz des Urhebers und die Wahrnehmung seiner Rechte“ verfolgt. Komponisten, Textdichter und Verleger von Musikwerken erhalten Tantiemen aus einem großen Topf, in den die Veranstalter einzahlen. Insofern sei die GEMA die „weltweit beste Verwertungsgesellschaft“. Er selbst habe früher als Komponist von Theatermusik von ihr profitiert. Die Petition verfolgt deshalb ausdrücklich nicht die Abschaffung des Vereins. Doch als Veranstalter sagt Rau: „So geht es nicht  weiter!“ Und dafür macht er eine für die „Kastanie“ typische Rechnung auf: Bei 40 Besuchern und einem Eintritt von zehn Euro beträgt die Einnahme 400 Euro. Davon zahlt Rau dem Künstler 280 Euro (70 Prozent), die GEMA kassiert 84 Euro. Dem Veranstalter bleiben also 36 Euro, womit er sich praktisch in den Miesen befindet. „Denn damit kann man keinen Veranstaltungsraum betreiben. Die Gastronomie fängt das nicht auf“, begründet Rau. „Im Winter müssten die Gäste eigentlich frieren.“ Die GEMA werde zunehmend „vom Kultur-Schützer zum Kultur-Vernichter“, heißt es in der Petition.

Das Problem sind die Bemessungsgrundlagen, zu denen Raumgröße und Eintrittsgelder zählen. Bei Rau legt die GEMA 100 Quadratmeter zugrunde. „Ich nutze gerade 50 Quadratmeter. Der Raum ist kaum größer als mein Wohnzimmer“, meint Rau. Er würde sich außerdem wünschen, dass sich der Verein an den Einnahmen orientiere, nicht an den Eintrittsgeldern. Kein Verständnis hat der Veranstalter dafür, dass er der GEMA auch Konzerte von Bands melden muss, die nur eigene Stücke spielen und noch nicht einmal Mitglieder des Vereins sind.

Die GEMA hat auf ihrer Homepage auf die Petition reagiert: Deren Kernforderung decke sich mit den Zielen der neuen Unternehmensstrategie, heißt es. Im Interesse ihrer Mitglieder werde die GEMA weiterhin für angemessene Tarife kämpfen. Von gestaffelten und damit verträglich ausgestalteten Tariferhöhungen bei Großveranstaltungen ist die Rede. Kleinspielstätten hätten keine Erhöhungen zu befürchten. Für Rau und viele andere Betreiber von Kleinkunstbühnen ist das ein schwacher Trost: Ihrer Ansicht nach zahlen sie ja jetzt schon zu viel. Die Folge: Sie reduzieren die Konzerte, Künstler haben keine Auftrittsmöglichkeiten mehr. „Ich will das eigentlich nicht. Ich sehe die ,Kastanie‘ immer noch als Kulturpunkt“, sagt Rau. Doch mit Ausnahme von „Di6e“ am 25. Juli, die die GEMA-Gebühren selbst übernehmen, und der „Martfeld Blues Band“ als Lokalmatadoren am 30. Dezember ist bis Ende des Jahres Schluss mit Konzerten.

Von der Petition erhofft sich Rau, dass der Bundestag eine unabhängige Kontrollinstanz einsetzt. Die würde bei der GEMA zumindest eher Gehör finden als ein Veranstalter. Am Beispiel eines Konzerts hatte Rau dem Verein schon einmal seine Lage geschildert, er habe „vernünftige“ Fragen gestellt. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die GEMA schickte eine Mahnung inklusive Einzugsermächtigung.

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