Twistringen - Von Theo Wilke„Das fällt uns nicht leicht, aber wir sehen keine andere Möglichkeit“, erklärte gestern Nachmittag Markus Tegeler. Der Vorsitzende des Friedhofsausschusses der katholischen St. Anna-Gemeinde kündigte gemeinsam mit Kirchenrendant Hubert Brunkhorst und Pfarrer Reinhard Molitor einschneidene Maßnahmen im Friedhofsbereich an. 16 bis zu 150 Jahre alte Linden müssen schon aus Gründen der Gefahrenabwehr gefällt werden. Freie Bestattungsfläche steht noch für eineinhalb Jahre zur Verfügung.

© Foto: Wilke
Die bis zu 150 Jahre alten Linden auf dem Twistringer Friedhof müssen gefällt werden. Hubert Brunkhorst (r.) und Markus Tegeler erklärten gestern die zwingenden Gründe. ·
Bereits 1994 gab es Überlegungen, die alt und zum Teil brüchig gewordenen Linden zu beseitigen. Damals sorgte das Vorhaben für heftige Diskussionen. Viele Gemeindemitglieder plädierten für Baumschutzmaßnahmen. Folglich wurden nur völlig erkrankte Bäume gefällt und die übrigen saniert, bis auf die vom Sturm gestürzten Bäume. Auch heute bereitet der Besuch des Friedhofes großes Unbehagen. Unverhofft kracht Totholz auf den Boden. Eine erneute Sanierung wäre kostenintensiv.
Am kommenden Mittwoch (um 19 Uhr im Pfarrzentrum) wird der Friedhofsausschuss des Kirchenvorstandes die Zukunftsplanungen vorstellen. Demnach wird ein beauftragtes Unternehmen – mit Kranwagen und Steiger – je nach Witterung mit dem Fällen der Bäume beginnen. Selbst ein Vertreter des Umweltschutzverbandes BUND, so Markus Tegeler, habe dem Kirchenvorstand bestätigt, dass die lange vor dem Bau der St.-Anna-Kirche (1870) gepflanzten Linden inzwischen abhängig seien und eine Gefahr darstellen.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Friedhofsgelände immer wieder erweitert, wurden etliche Flächen zugekauft. Schließlich stehen die Linden, die um 1850 den Friedhof begrenzten, heute mehr in der Mitte als am Rande. Die große Rasenfläche im Zentrum darf aus Sicherheitsgründen nur zu einem Viertel als Grabfeld genutzt werden.
Der Friedhofsausschuss hat verschiedene Lösungsmöglichkeiten diskutiert und wieder verworfen: Rund 40 bis 50 Umbettungen würden das Platzproblem nur hinausschieben. Bestattungen auf dem evangelischen Friedhof würden ebenfalls bald Platzprobleme mit sich bringen. Mögliche Bestattungen in Marhorst scheitern schon an der Entfernung. Und die Schaffung eines neuen Friedhofes könnte St. Anna finanziell gar nicht tragen.
„Da wir möglichst den Friedhof weiter gestalten wollen, werden wir in diesen Tagen mit den notwendigen Arbeiten beginnen. Unser Ziel, auch angesichts der Entwicklung der Bestattungskultur und trotz des Platzmangels einen zukunftsfähigen und würdigen Ort für unsere Toten vorzuhalten, wollen wir nicht aus den Augen verlieren“, betonte Pastor Molitor. So habe es der Kirchenvorstand bei einer Enthaltung einmütig beschlossen. Man wünsche sich, dass 2012 schon ein Gemeinschaftsgrabfeld zur Verfügung stehe, man könne dies aber nicht versprechen. Das Ganze stecke noch in der Planungsphase, hieß es.
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