Twistringen - Von Felix GutschmidtDie besten Ideen kommen aus Twistringen. Davon ist jedenfalls die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ überzeugt. Sie zeichnet jedes Jahr 365 Orte aus, die „für den Ideenreichtum, die Leidenschaft und die Umsetzungsstärke der Menschen im Land“ stehen. 2012 ist Twistringen vertreten – und das gleich doppelt.

© Foto: Gutschmidt
Zwei Brüder stehen an der Spitze der „Roess Nature Group“: Thomas und Hans-Günter Roess. ·
Die frohe Botschaft verkündet die Initiative „Land der Ideen“ bereits Ende Januar. „Sie wurden zum ‚Ort der Ideen‘ ernannt“, wird der International Geotextil Gmbh (IGG) und Eco Rain International mitgeteilt. Beide firmieren unter dem Dach der „Roess Nature Group“.
Kurz darauf erhält Charlotte von der Heide, Mitarbeiterin der Marketingabteilung, einen Anruf. Man wolle sich über den Preis unterhalten, hieß es. „Über welchen denn? Wir haben zwei!“ Schweigen in der Leitung. Dass beide „Orte der Ideen“ zur Roess-Gruppe gehören, hatte bei der Initiative mit Sitz in Berlin offenbar niemand begriffen.
Die „Roess Nature Group“ besteht aus der A.H. Meyer Maschinenfabrik, Twistringer RBM Dränfilter, IGG, Eco Rain International und Lanka Coco Products. Die ersten vier Firmen haben ihren Sitz in Twistringen, Lanka Coco ist in Sri Lanka beheimatet.
Die IGG hat Xylit-Walzen entwickelt, mit denen Gewässer weitgehend von Phosphaten und Nitraten befreit werden. Ebenfalls ausgezeichnet hat die Initiative unterirdische Bewässerungsmatten von Eco Rain, die als Alternative zu klassischen Beregnungsanlagen einen wesentlich höheren Wirkungsgrad haben.
Die Funktionsweise beider Produkte ist einfach. Die Xylit-Walzen werden „wie ein Teebeutel ins Wasser gehängt“, erklärt Charlotte von der Heide. Den Rest erledigt das Xylit von selbst: Es bindet nach Angaben des Herstellers die im Wasser enthaltenen Nährstoffe für Algen. Die Folge: Klares, sauberes Wasser.
Aufwändiger ist die Herstellung der Bewässerungsmatten. Aus welchen Materialien sie zusammengesetzt werden, verrät das Unternehmen nicht. Ein riesiger Webstuhl mit mehr als 80 Nadeln verarbeitet die Textilien.
In die Matten verwoben ist ein Schlauchsystem über das sich das Wasser gleichmäßig auf dem Stoff verteilt. Die Bewässerungsmatten werden unterirdisch verlegt, so dass Pflanzen das Wasser direkt über die Wurzeln aufnehmen können.
Der Effekt: Im Vergleich zu einer oberirdischen Beregnungsanlage verbraucht ein System mit Bewässerungsmatten 70 Prozent weniger Wasser, weil nichts verdunstet oder verweht.
Zum Einsatz kommen die Matten unter anderem auf dem begrünten Dach der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt oder in der Hamburger Hafencity.
Sauberes Wasser
immer wichtiger
Geschäftsführer Thomas Roess ist sicher, dass es für die nun ausgezeichneten Produkte einen großen Markt gibt. Sauberes Wasser und ein möglichst effektiver Umgang mit der Ressource würden in Zukunft immer wichtiger werden, sagt er.
Vier bis fünf Jahre Entwicklungsarbeit haben die Mitarbeiter des Twistringer Unternehmens investiert, bis sie eine Bewässerungsmatte in den Händen hielten, die ihren Vorstellungen entsprach. Thomas Roess ist überzeugt: „Ohne den Glauben an die Idee hätte das nicht funktioniert.“
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