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Frank Ewerling ist „Held der Straße“ und erfährt die Kehrseite der Medaille

Selbstloser Einsatz nach Massenkarambolage

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Twistringen - „Es hat alles gepasst, uns ging es gut. Wir haben ein Haus in Köbbinghausen gekauft und schon fleißig renoviert. Wir waren unabhängig, wir haben nie um Hilfe betteln müssen“, sagt Frank Ewerling. Er bekommt die schrecklichen Bilder nicht mehr aus dem Kopf: Der 18. November 2011 hat den gebürtigen Gelsenkirchener und seine Familie über Nacht nicht nur finanziell aus der Bahn geworfen. Damals gab es eine Massenkarambolage im dichten Nebel auf der A 31 zwischen Heek und Gronau-Ochtrup. Unter Lebensgefahr leistete Ewerling erste Hilfe.

Foto: Wilke

Der „Held der Straße“ im Februar: Frank Ewerling, hier mit Lukas und Marie an der abgängigen Hausheizung ·

Für seinen außergewöhnlichen Einsatz haben Goodyear und der Automobilclub von Deutschland (AvD) den Köbbinghauser zum „Helden der Straße“ im Monat Februar gekürt. Besonnen, mutig und selbstlos half der ausgebildete Managementtrainer und Personenschützer zahlreichen Unfallopfern.

51 Fahrzeuge und 104 Menschen waren damals von dem Massencrash betroffen. Frank Ewerling, gerade erst aus Nottuln im Münsterland nach Twistringen umgezogen, war mit seinen beiden Kindern Lukas (7) und Marie (3) sowie Mutter Liliane auf dem Weg nach Holland, um Ehefrau Ursula, eine Berufskraftfahrerin, abzuholen. Ewerling wurde mit seinem Mercedes als Siebter in die Massenkarambolage verwickelt. Geistesgegenwärtig steuerte er den Wagen in die Fahrbahnmitte und vermied einen Frontalzusammenstoß.

„In diesem Nebel konnte man einfach nichts mehr sehen“, erinnert sich der Wahl-Twistringer. Sofort brachte er seine Familie hinter den Leitplanken in Sicherheit, setzte einen Notruf ab und eilte Verletzten zu Hilfe. „Solche Bilder sieht man sonst nur in Horrorfilmen. Ich habe eine Herzdruckmassage bei jemandem gemacht, dem das rechte Bein fehlte. Manche hatten keine Gesichter mehr“, schilderte der 41-jährige Ewerling gestern Mittag. Er schleppte Verletzte hinter die Leitplanken. Und dies alles, während immer noch Autos in die Unfallstelle krachten, Trümmerteile umherflogen und Ersthelfer auch in Lebensgefahr brachten. Nach 18 Minuten seien die ersten Rettungskräfte am Unfallort eingetroffen, so der Familienvater. Ewerling Mutter Liliane: „Noch Wochen danach habe ich die Aufschläge der Autos gehört.“ Sie habe damals kein Zeitgefühl mehr gehabt und nur an die Sicherheit ihrer Enkelkinder gedacht. Mehr als sechs Stunden waren sie an der Unfallstelle.

Der „Held der Straße“ wurde gestern Morgen in der Twistringer Allianz-Agentur durch Torsten Straßburg und Ralf Siemers geehrt. Von Aktionspartner Hyundai gab es vier Eintrittskarten für das Legoland und von der Allianz ein „Sicherheitsset“ (Apple iPhone inklusive Schutzhülle und Autohalterung) sowie eine kostenlose AvD-Jahresmitgliedschaft.

Die Kehrseite der Medaille hat Frank Ewerling auch zu spüren bekommen: „Nach dem Unfall waren wir ohne Auto und dadurch finanziell in Not, und das gerade in der Zeit unseres Umzuges.“ Nachdem man bei der Hausbank die Situation erklärt und um Hilfe gebeten habe, sei stattdessen ein zugesagter Aufstockungskredit zurückgezogen worden. Zudem wurde Grunderwerbssteuer fällig.

„ Es hat alles gepasst,

uns ging es gut...“

In die Renovierung des Hauses an der Köbbinghauser Straße ist kräftig investiert und viel in Eigenleistung saniert worden. Aber vertraute Menschen im neuen Wohnumfeld hat die Familie bislang nicht, die mit anpacken könnten.

Der Unfall kam zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Für den Totalschaden am Auto bekommt Ewerling laut Gutachten noch 25 Prozent des Restwertes: 1 300 Euro.

Einerseits heilfroh, den Unfall körperlich unversehrt überstanden zu haben, leidet die Familie andererseits unter der schlagartig veränderten Lebenssituation. Enttäuscht ist der Personenschützer, dass er an viele Türen geklopft, aber keine wirkliche Hilfe erfahren habe. Ein Autohaus aus Sandkrug überließ ihm nach Anzahlung von 1 500 Euro ein Auto. Das müssen sich die Eltern von Marie und Lukas teilen. Frank Ewerling erzählt stolz, dass er schon für die deutsche Fußballnationalelf als Personenschützer im Einsatz war. Nach dem 18. November sind ihm lukrative Aufträge weggebrochen, weil er nicht mehr so mobil ist.

Der 41-Jährige sieht sich nun gezwungen, seine Selbstständigkeit aufzugeben und „einen vernünftig bezahlten Job“ zu suchen. · tw/sn

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