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Mieter sind wütend / Pflegefälle sehr betroffen / „Gagfah“: Schaden wird diese Woche behoben

Seit Tagen ohne warmes Wasser

712.08.10|Bassum/Twistringen|Bassum/Twistringen|
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Artikel: Seit Tagen ohne warmes Wasser

Twistringen - Von Theo Wilke · Seit gut zehn Tagen gibt es kein warmes Wasser. In der Senioren-Wohnanlage zwischen Brunnen- und Westerstraße in Twistringen ist der Wärmespeicher ausgefallen. Die Mieter fühlen sich schon länger von der Eigentümerin „Gagfah“, der bundesweiten „Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten“, im Stich gelassen.

Enttäuschte, verärgerte und wütende Mieter in der Gagfah-Wohnanlage an der Twistringer Brunnenstraße.

Gestern Abend erklärte deren Firmen-Zentrale in Essen: Der Schaden werde diese Woche noch behoben.

16 Wohnungen sind es an der Brunnenstraße 7, 9, 11 und 13, idyllisch in der Stadt gelegen, aber der (Sonnen-) Schein trügt, hinter den Mauern sind die alten Menschen tief enttäuscht, sichtlich frustriert und auch wütend. Am schlimmsten getroffen hat es die Pflegebedürftigen unter den 60- bis 95-Jährigen.

Nach unserer telefonischen Anfrage in der Servicezentrale (Reparaturannahme) des beauftragten Unternehmens „B u. O – Lösungen für die Wohnungswirtschaft“ in Osnabrück – dort sitzt auch die trotz mehrfacher Anrufe nicht erreichbare zuständige Hausverwaltung – sollte der Reparaturauftrag bereits vergeben worden sein. Der Einbau eines neuen Heizkessels sei nicht vor Donnerstag oder Freitag möglich. Daraufhin gleich befragt, antwortete gestern Mittag der besagte Handwerksbetrieb aus dem Landkreis: „Uns liegt bis jetzt kein Auftrag vor.“

Am Abend meldete sich Bettina Benner, Pressesprecherin der Gagfah-Zentrale in Essen mit einer knappen Erklärung: „Es tut uns leid, dass es für unsere Kunden zu Beeinträchtigungen gekommen ist. Die Gagfah- Group hat sofort nach Meldung des Schadens reagiert und die erforderlichen Arbeiten beauftragt. Uns wurde von der beauftragten Firma mitgeteilt, dass noch in dieser Woche der Schaden behoben werden soll.“

Was im Internet bei „Gagfah“ nachzulesen ist, klingt für die Betroffenen wie Hohn: „Den Großteil unserer Einnahmen erzielen wir aus der Vermietung von attraktivem Wohnraum. Wir wollen, dass unsere Mieter sich bei uns wohl fühlen und gerne bei uns wohnen.“

Im Gegenteil, meint Helga Wäscher, seit fünf Jahren an der Brunnenstraße. Sie hat vorher viele Jahre am Masurenweg gelebt. Die aus Schlesien stammende 75-Jährige nimmt kein Blatt mehr vor den Mund, es reiche ihr, und „so denken alle in der Wohnanlage“, die vor gut 30 Jahren von der NILEG, der Niedersächsischen Landesentwicklungsgesellschaft, gebaut worden ist. Wäschers Vorwurf: „Die machen mit uns, was sie wollen.“ Nachbarin Antonita Urban schildert: „Jeden Tag muss ich meinen schwerkranken Mann Viktor pflegen, ihn ganz waschen. Ich erhitze das Wasser im Wasserkocher und nehme dann eine große Schüssel, wie nach dem Krieg.“ Ihr 65-jähriger Mann, 107 Kilogramm schwer, leidet an Parkinson und ist inkontinent.

Vor etwa vier Jahren sei man vom Mörsener Kirchweg hergezogen, und „wir dachten, dann kümmert sich auch jemand um uns“, so die 63-jährige Antonita und äußert gleichzeitig Kritik an dem Hausmeister aus Delmenhorst. Die Mieter hätten sich schon oft geärgert, aber aus Angst nichts gesagt. Nicht nur in einem Winter sei die Heizung mehrfach ausgefallen, Tage lang habe man vor Weihnachten in der Kälte gesessen, draußen habe es geschneit und gestürmt. „Jetzt ist die Heizung wohl endgültig verreckt, und den Hausmeister sieht man auch fast nie“, fügt Helga Wäscher hinzu.

Dazu passt ein weiteres Zitat von der Gagfah-Internetseite: „Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschen. Die Gagfah-Group sieht sich in besonderem Maße zu sozialem Handeln aufgerufen. Wir übernehmen Verantwortung gegenüber unseren Kunden und der Gesellschaft und setzen dabei Maßstäbe.“

An der Brunnenstraße hat man davon wohl nichts mitbekommen. Auf Anrufe und Briefe sei nicht reagiert worden, hieß es. Um nur einige Kritikpunkte der Mieter zu nennen: Dachrinnen laufen über, Regen dringt durchs Dach, in Hausfluren steht Wasser, die Hauseingänge sind nicht behindertengerecht.

Mieterin Barbara Gus: „Da ist doch in den ganzen Jahren nichts gemacht worden, außer Hecken zu schneiden und mit dem Laubsauger den Dreck weg zu machen.“ Auf unsere Nachfrage wollte oder konnte sich der Hausmeister nicht äußern, er verwies an die Essener Firmenzentrale. Morgens zwischen 8 und 9 Uhr ist er telefonisch erreichbar: „Dann habe ich Sprechstunde.“

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