015.01.11|Bassum/Twistringen|Bassum/Twistringen|
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Twistringen - Von Theo WilkeSechs Wochen noch, dann wird der Erste Stadtrat sein Büro im Rathaus zum letzten Mal betreten. Karl-Heinz Stöver, seit fast 44 Jahren im öffentlichen Dienst – und seit seiner Lehrzeit bei der Stadt Twistringen, geht in Pension. Im Interview erinnert sich Stöver an eine auch spannende Verwaltungsarbeit.

Eine besondere persönliche Erinnerung hält Karl-Heinz Stöver in Händen: ein Geschenk aus Bonnétable anlässlich 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Twistringen (1977-2007).
?Sie gehen bald in Pension, Herr Stöver, es gibt nach dem Abschied von Leo Harms im vergangenen Jahr niemanden mehr im Rathaus, der länger als sie beschäftigt war. Erinnern Sie sich noch, wie war das damals war, als sie in der Twistringer Verwaltung anfingen?
!Ja, natürlich. Eigentlich wollte ich Polizist werden, ich hatte mir schon die Bewerbungsunterlagen besorgt. Aber die Polizei wollte mich nicht, ich war noch nicht 18. Mein Vater sagte dann, ich möchte mich auf die ausgeschriebene Ausbildungsstelle im Rathaus bewerben. Da musste man jeden Morgen mit Oberhemd und Krawatte kommen. Das gehörte sich so. Später hat sich das ja sehr gewandelt.
?Sie haben schon nach zweieinhalb statt drei Jahren ihre Abschlussprüfung geschafft und die Ausbildung für den gehobenen Dienst absolviert. Sie haben den Schritt in die Verwaltung nie bereut und Spaß an ihrer Arbeit gehabt. Was hat Sie in all den Jahren besonders bewegt?
!In so einer kleinen Kommune kam man mit fast allen Dingen in Berührung, das war nicht so anonym. Eine spannende Geschichte war die Gebietsreform 1974 und die Bildung der Einheitsgemeinde. Von Abbenhausen bis Stelle wollte man die Samtgemeinde, aber Twistringen selbst lehnte mit nur einer Stimme Mehrheit ab. Der Beschluss musste aber einstimmig sein. Heute muss ich sagen, es war der richtige Schritt in die Einheitsgemeinde. Interessant war auch die Entwicklung des Haushaltsrechtes. Zuerst der ordentliche Etat, dann folgte in den 70er Jahren eine Neuordnung mit Verwaltungs- und Vermögenshaushalt und zuletzt die Doppik (Doppelte Buchführung in Konten, Anm. d. Red.).
?Wie kommt die Stadt Twistringen mit dieser Doppik denn zurecht?
!Gut. Im Landkreis und in Niedersachsen liegen wir weit vorn. Twistringen war eine der ersten Kommunen, die die Doppik eingeführt haben. Es war der richtige Weg, um mit den Ressourcen der Stadt besser umzugehen und die Steuerung der Verwaltung zu optimieren.
Zu den herausragenden Ereignissen zähle ich auch den Neubau unseres Gymnasiums. Es ist nicht jedem vergönnt, solch' eine Einrichtung mit aufzubauen, von der Idee und der Planung bis zum endgültigen Bau. Nicht zu vergessen die erfolgreichen Verhandlungen mit der Schulstiftung des Bistums Osnabrück. Dann denke ich auch noch an die vorschulische Kinderbetreuung – und die enorme Dynamik, die daraus entstanden ist. Wir haben das Schulwesen grundlegend saniert. Ich kann mich noch an die hoch emotionalen Debatten mit Eltern erinnern.
?Herr Stöver, Sie haben es bis zum Ersten Stadtrat und Vertreter des Bürgermeisters geschafft, Sie haben auf verantwortlichem Posten und schon früh eigenständig arbeiten dürfen. Was würden Sie heute anders machen?
!Ich würde alles wieder so machen, aber unter dem Gesichtspunkt des jeweiligen Kenntnisstandes.
?Gibt es etwas, das Sie noch gerne vor ihrer Pension abgeschlossen hätten?
!Nein, ich habe schon länger auf meinen Abschied hingearbeitet. Es wird alles geregelt sein, um eine reibungslose Übergabe an meinen Nachfolger oder Nachfolgerin zu gewährleisten.
?Wie bereiten Sie sich auf ihre Zeit nach dem Rathaus vor?
!(Stöver schmunzelt) Es ist noch etwas ungewiss, aber Vorstellungen habe ich schon. Ob das auch so kommt... Fahrrad fahren und reisen, und viel in der Natur sein, ist mir wichtig. Das macht auch meine Frau Hildegard gerne. Ich werde mich in Zukunft sicher auch hier und da sozial engagieren, aber nach meinem letzten Arbeitstag möchte ich beruflich einen richtigen Schlussstrich ziehen – allerdings nicht unter der Städtepartnerschaft mit Bonnétable. Ein politisches Amt werde ich auf keinen Fall anstreben.
?Wann ist denn nun Ihr letzter Arbeitstag im Rathaus?
!Der ist offiziell am 13. März, aber ich werde schon etwas früher aufhören, am 25. Februar. Ich bin bald 62 Jahre alt, meine Wahlzeit als Erster Stadtrat endet nach acht Jahren, und ich stelle mich nicht mehr für weitere acht Jahre zur Wahl.
▪ Gebietsreform
▪ war spannend
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