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Reaktion auf Nachwuchsmangel

Kirche überdenkt Jugendarbeit

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Bassum - Von Rafael KaluzaGehen immer weniger Jugendliche in die Kirche? Die meisten Kirchgänger würden diese Frage vermutlich bejahen, ohne lange zu überlegen. Und tatsächlich, zumindest in der evangelischen Kirchengemeinde Bassum geht kein junger Mann und keine junge Frau regelmäßig in den Sonntagsgottesdienst. Einen bundes- oder auch regionalweiten Trend möchte Jörn-Michael Schröder, Superintendent des Kirchenkreises Syke-Hoya, darin aber nicht erkennen. „Das ist von Ort zu Ort verschieden.“

Allerdings sei die Jugendarbeit in den vergangenen 20 Jahren deutlich schwieriger geworden. Als Gründe nennt Schröder die veränderte Freizeitgestaltung der jungen Menschen, die sich vermehrt mit Medien beschäftigen. „Insgesamt haben sich Jugendliche stärker individualisiert”, ist der 43-Jährige überzeugt. Als weiteren Grund gibt Schröder die Schule an, da diese stärker Lebensmittelpunkt geworden sei. „Die Zeitfenster sind enger geworden. Das merken Vereine, aber eben auch die Kirche.“ Der Superintendent blickt dennoch entspannt in die Zukunft. „Die Jugendarbeit ist ein sehr dynamisches Arbeitsfeld, eine Wellenbewegung ist typisch. Der Konfirmandenunterricht wird nach wie vor sehr gut angenommen.”

Schröder kündigt an, dass die Angebote in der Gemeinde Bassum mehr werden. „Die kirchliche Jugendarbeit schaut, wie sie reagieren kann. Ein künftiges Arbeitsfeld sollen zum Beispiel schulnahe Kirchenprojekte im Bereich des Nachmittagsunterrichts sein. Wir werden uns in Zukunft mit den Möglichkeiten beschäftigen.“

Elisabeth Früchtenicht macht die Entwicklung nachdenklich. Die Bassumer Diakonin sorgt sich um die Zukunft der Kirche und sieht auch andere Gründe für das Fernbleiben junger Erwachsener. „Die Gottesdienste sind zu wenig auf Jugendliche zugeschnitten, und zehn Uhr ist außerdem zu früh”, meint sie.

Früchtenicht gibt die Hoffnung aber nicht auf, dass wieder mehr Angebote für Jugendliche kommen und auch wahrgenommen werden. Einen ersten positiven Schritt sieht sie in der Umgestaltung des 14-tägigen Konfirmandenunterrichts. Man achte mehr darauf, dass die Kinder die Arbeitsgebiete der Kirche kennenlernen und auch selbst aktiv werden, etwa in Form der eigenen Gestaltung des Gottesdienstes. „Ich hoffe, dass davon unsere Jugendarbeit profitiert. Ich merke schon, dass es einige Jugendliche gibt, die Interesse an der Kirchenarbeit haben.“

Eine, die sich engagiert, ist Antonia Frankenfeld. Die 17-Jährige hilft seit 2008 bei der Kinderkirche mit und ist inzwischen auch in den Chor eingetreten. Zum Gottesdienst geht sie allerdings eher selten. „Der Glaube ist für mich viel lebhafter, als es in der Kirche rüberkommt“, erläutert die Bassumerin. Die Arbeit mit den Jungen und Mädchen in der Kinderkirche macht der Schülerin viel Spaß. In den Stunden würden Geschichten rund um Gott erzählt und dadurch auf Probleme im Alltag hingewiesen. Selbstverständlich arbeite man kindgerecht, häufig würden Puppen verwendet. Warum so wenig Kinder in die Kirche gehen, kann auch Frankenfeld nicht beantworten. „Ich denke auch, dass es von der Erziehung abhängt”, sagt die 17-Jährige.

Aufgrund des Nachwuchsmangels liegt die Befürchtung nahe, dass die Beteiligung weiterhin abnehmen wird. Antonia Frankenfeld ist sich jedenfalls sicher: „Ich glaube nicht, dass Kinder, die jetzt nicht in die Kirche gehen, plötzlich kommen, nur weil sie älter werden.” Eine langfristige Prognose mögen weder Jörn-Michael Schröder, noch Elisabeth Früchtenicht wagen, doch kurzfristig versprechen sich beide Besserung im Bereich der Jugendarbeit. „Vielleicht fehlt es auch an einer mitreißenden Person”, mutmaßt die Diakonin. Wenn in Kürze ein Platz im Pfarramt frei werde, erhoffen sich beide, dass die Kirche dank eines neuen jungen Pastors, wieder mehr Bezug zu Jugendlichen erhält.

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