Twistringen - Von Theo WilkeDie hoch gewachsenen Stämme knicken wie Streichhölzer weg unter dem Druck der Astschere. Der erste Blick nach der Radikalkur mag manchen Passanten erschrecken. Ulrike Ehlers aus dem Rathaus, die die erstmalige konzertierte Heckenschnitt-Maßnahme in den Twistringer Ortschaften organisiert, ist selbst erstaunt, kann besorgte Bürger aber beruhigen: „Die Hecken treiben von unten zügig wieder aus.“

© Foto: Stadt Twistringen/Ulrike Ehlers
Hecken-Aktionsstart am Dienstag in Scharrendorf, „An der Bahn“. ·
Der Hintergrund: „Auf den Stock gesetzt“ geben die Hecken sieben bis zehn Jahre Ruhe, bevor erneut Hand angelegt werden muss. Dieses Verfahren ist zudem erheblich kostengünstiger als das jährliche Flankenschneiden, um die Wirtschaftswege freizuhalten. Die Kosten werden aus den Ortsbudgets bestritten. Deshalb entscheiden die Ortsräte letztlich auch über Umfang und Geldmittel. Das von der Kommune beauftragte Umweltunternehmen Tacke aus Wagenfeld hat am Dienstag in Scharrendorf den ersten Heckenstreifen mit einer riesigen, an einem Bagger montierten Astschere begonnen.
Gemeinsam mit dem jeweiligen Ortsbürgermeister und Wegebeauftragten sucht die Diplom-Ingenieurin für Landschaftspflege Ulrike Ehlers die Abschnitte aus, die bis März auf den Stock gesteckt werden – am Ende noch 20 bis 40 Zentimeter über dem Boden.
Ehlers, die ansonsten als Agendabeauftragte für zehn Stunden wöchentlich von der Stadt beschäftigt wird, hat zusätzlich zehn Stunden pro Woche, um sich im Bereich Natur und Landschaft um Ausgleichsflächen, Wegeseitenränder, Baumschutz und nun auch Heckenpflege zu kümmern. Ulrike Ehlers stellt klar: „Nicht die Agenda pflegt die Hecken.“
In der Vergangenheit kümmerten sich die Ortschaften selbst darum. Bis zu 20 Jahre wurden nur die Flanken beschnitten. Im Herbst 2011 hat Ehlers alle acht Ortsräte beziehungsweise Ortsbürgermeister angeschrieben und das Vorhaben erklärt und eine Karte auf der Basis des Landschaftsplanes von 1997 beigefügt. Danach konnten die Ortskundigen die Karte um Veränderungen ergänzen.
„Als wir in Scharrendorf im Bereich des 400 Meter langen Weges „An der Bahn“ mit drei jeweils bis zu 40 Meter langen Abschnitten angefangen haben, hat die Jagdgenossenschaft gleich Geld für einen weiteren Weg, an der Grenze zu Schwaförden, zugesagt“, lobt Ehlers, die sich freut, dass sie in allen Ortschaften auf offene Ohren gestoßen ist. Viele Anwohner hätten sich auch schon gemeldet, weil sie selbst die Arbeiten erledigen und das Holz haben möchten.
Gestern war die Ortschaft Stelle an der Reihe. Am Montag trifft sich Ehlers mit der Abbenhauser Ortsratsspitze. Hecken und Bäume dürfen in freier Natur nach dem Gesetz nur von Anfang Oktober bis Ende Februar beschnitten oder abgesägt werden. Deshalb wird die Aktion bis zum März abgeschlossen.
Alle Ortsbürgermeister und Ansprechpartner lädt Ehlers für Donnerstag, 19. Januar, ab 19 Uhr zu einem Vortrag über Heckenpflege im Rathaus ein. Die Fachfrau hat ein Seminar in Schneverdingen besucht.
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