Bassum - Von Frauke Albrecht80 000 Euro bot gestern ein Interessent für den Bassumer Bahnhof. Die Rechtspflegerin versagte daraufhin den Zuschlag.
Weitere Gebote wurden nicht abgegeben, obwohl mehrere Interessierte zum ersten Zwangsversteigerungstermin im Amtsgericht Syke erschienen waren. Darunter auch Heinz Schierloh als Vertreter der Wirtschafts- und Stadtentwicklungsgesellschaft (WISEG). Er hatte einen klaren Auftrag – nämlich ein Gebot abzugeben, wenn kein anderer bietet.
„Dann fallen die Schutzgrenzen weg“, erläutert Schierloh den Hintergrund. Das bedeutet, dass es in einem zweiten Termin keine Mindestgrenzen (7/10 und 5/10 des Verkehrswertes) mehr gibt, der Bahnhof könnte zu einem Schnäppchenpreis weggehen, sofern die zuständige Gläubigerbank (OLB) zustimmt. Wäre gestern kein Gebot abgegeben worden, hätte die Rechtspflegerin den Termin aussetzen und verschieben müssen, die Schutzgrenzen hätten weiterhin Bestand.
Nach den Erläuterungen hatten die Anwesenden 30 Minuten lang Zeit, der Rechtspflegerin ein Gebot zu nennen. Doch zunächst rührte sich niemand. Klaus-Peter Schuler, Mitarbeiter der OLB, bot an, mit Interessierten hinauszugehen, um mögliche Summen zu besprechen. „Die Bank würde heute 70 Prozent des Verkehrswertes akzeptieren“, erklärte er auf Anfrage unserer Zeitung. Das wären 183 000 Euro.
Nach etwa 20 Minuten Schweigen im Saal bat Gerhard Kleinwechter den Banker in den Flur, um kurz danach die Summe von 80 000 Euro zu nennen. Was die Anwesenden nicht wussten: „Das ist mit der Bank abgesprochen“, erklärte Kleinwechter nach dem Termin. Der Bankkaufmann arbeitet für die Kant Consult GmbH mit Sitz in Ennigerloh und war im Auftrag der OLB vor Ort, sollte dafür sorgen, dass die Schutzgrenzen wegfallen, falls kein annehmbares Gebot erzielt würde.
„Unsere Erfahrung ist, dass in solchen Fällen beim zweiten Termin wesentlich mehr Interessierte kommen, in der Hoffnung, ein Schnäppchen machen zu können. Manchmal bieten die sich gegenseitig hoch“, erläutert Kleinwechter den Hintergrund der Aktion. Eine solche Absprache der Gläubigerbanken mit einem Mittelsmann sei keine Seltenheit.
Das Amtsgericht Syke wird einen neuen Termin festlegen. Das kann einige Wochen dauern. Ob Heinz Schierloh dann für die WISEG mitbieten wird, „müssen die Gesellschafter entscheiden“, erklärte er. Die Kaufinteressenten freuten sich über den Verlauf des Gerichtstermins. „Ich habe einige Ideen für das Objekt, sogar einen interessierten Pächter. Für mich ist der Kauf abhängig vom Preis. Da muss einiges an Geld reingesteckt werden“, erklärte ein Bassumer und verwies auf den „erheblichen Investitionsstau“.
Hans-Werner Brinkmann indes hofft noch immer, die Versteigerung abwenden zu können. Vor kurzem hat er einen Antrag auf Nutzungsänderung beim Landkreis gestellt (in Bearbeitung), um in der oberen Etage Gästezimmer anzubieten. Ob ihm der Aufschub nutzt, ist fraglich. Die OLB hat lange genug gewartet, möchte das Objekt so schnell wie möglich verkaufen.
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