1505.07.10|Bassum/Twistringen|Bassum/Twistringen|
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Twistringen - Von Jan Schmidt,Theo Wilke · Größer, härter, lauter: Wie ein Gewitter fegte das Reload-Festival über die Alte Ziegelei in Twistringen. Drei Tage lang feierten mehrere tausend Fans und sahen insgesamt 38 Bands.

Was für Kerle: „The BossHoss“ spielten am Freitagabend.
Gestern Abend rockten über 3 500 Fans mit Punk-Ikone Billy Idol. So ganz zufrieden zeigten sich die Organisatoren aber nicht mit den Zuschauerzahlen. Lag es an Sommerhitze und WM?
Seine unverwechselbare Stimme, seine Welthits und das exakte Spiel der Band rissen die Fangemeinde mit: Billy Idol, Brückenbauer zwischen Punk und Rock, enttäuschte am Abend nicht, ebenso wie Leadgitarrist Steve Stevens. Da staunte selbst die ältere Generation über den Auftritt des charismatischen 54-Jährigen Idol. Gänsehaut-Feeling auf dem Ziegelei-Gelände, Weltklassemusik. Ein Glücksgriff, und der Kracher. Mancher vergaß den Beifall und hörte nur andächtig zu, auch als „Flesh for Fantasy“ von der Main-Stage erklang. Erst gut eine Stunde zuvor war der gebürtige Brite in Twistringen angereist, nach einer Nacht im Bremer Parkhotel.
Grobe oder sanfte Töne, sinnliche Melodien und wildes Geschrei – für jeden Geschmack war am Wochenende etwas dabei. „The BossHoss“ legten am Freitagabend vor und machten ihrem Bandnamen alle Ehre. Im Cowboy-Outfit schmetterten die Jungs eine Country-Nummer nach der nächsten. „This Song is for real guys“ – „Dieser Song ist für echte Kerle“, kündigte Sänger Alec Völkel an. Keine leeren Worte, befand das Publikum und spendete reichlich Applaus.
Nach Mitternacht spielte „Extrabreit“. Dafür fahren manche Fans extra weit. Zum Beispiel von Scheeßel nach Twistringen: „Extrabreit ist Extraklasse“, jubelte Marion Schmidt. Während auf der Hauptbühne die Schule brannte, heizten auf der Club-Stage „Walls of Jericho“ ein. Diese Band hatte Hardcore-Sound im Gepäck. Sängerin Candace Kucsulain brüllte derart ins Mikrofon, dass man sich stellenweise fragte, ob sie wohl Schmerzen habe. Ähnlich am Sonnabend die Gruppe „Evergreen Terrace“: Wenn Sänger Andrew Carey die Show wegen Heiserkeit hätte abbrechen müssen – es wäre wohl niemand verwundert gewesen.
Geradezu harmonisch war die Stimmung bei „Everlast“, lässig in Schlabberjeans und weitem Hemd. Auch leichter Nieselregen konnte die Stimmung nicht trüben.
Ebenfalls mit deutschen Texten begeisterte „Selig“. Nach einer Auszeit von einem Jahrzehnt zeigten die Jungs am Sonnabend wieder ihr Können. Danach übernahm die brasilianische Trash-Metal-Band „Sepultura“. Bis zwei Uhr in der Früh ließ sie den zweiten Festivaltag lautstark ausklingen.
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