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Abschied von Geburtshilfe: Pflegestation statt Kreißsaal / Fachausschuss bestätigt endgültige Schließung / Geburtshaus in Sulingen?

Fachausschuss bestätigt endgültige Schließung / Geburtshaus in Sulingen?

Abschied von Geburtshilfe: Pflegestation statt Kreißsaal

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Bassum - Von Anke SeidelEinstimmig bei einer Enthaltung: Mit diesem Votum bestätigte der Gesundheitsausschuss gestern im Bassumer Vorwerk die endgültige Schließung der Geburtshilfe-Abteilung im Krankenhaus Bassum – per Beschlussempfehlung.

Denn die letzte Entscheidung hat am 27. Februar der Kreistag. Folgt er dem Votum, entsteht anstelle des Kreißsaals im Klinik-Neubau eine Pflegestation.

Die Bürgerinitiative für den Erhalt der Geburtshilfe spricht von einer „Katastrophe für den Landkreis, für die Frauen und für die Grundversorgung“, die sich bereits am Mittwochabend in Syke am Runden Tisch Geburtshilfe abgezeichnet hatte. In der nicht öffentlichen Tagung war offenbar mit „Anwürfen, Vorwürfen und Emotionen“ diskutiert worden, wie Landrat Bockhop anklingen ließ.

„Geburtshilfe im Landkreis Diepholz beerdigt“, teilte Lena Rahlfs als stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative in einer Stellungnahme mit – und betonte: „Die Bürger brauchen und wollen eine Geburtshilfe im Landkreis Diep holz. Diese nicht vorzuhalten, kann nur als fahrlässig bezeichnet werden.“ Dass werdende Mütter ihre Kinder in relativ kurzer Entfernung in Kliniken außerhalb des Landkreises zur Welt bringen können, erklärte der Landrat gestern im Fachausschuss. Aber: „Im Raum Sulingen klafft ein großer weißer Fleck.“ Deshalb schlug Bockhop die Einrichtung eines Geburtshauses in Sulingen vor. Mit der Stadt und der AOK habe er erste Gespräche geführt: „Das kann die Lösung für den gesamten Raum sein.“

Ein Hebammen-Kreißsaal könne nicht eingerichtet werden, betonte Wolfgang Plücker vom Deutschen Krankenhaus-Institut. Denn: „Dazu gehört immer auch eine Geburtshilfeabteilung!“

Intensiv diskutierten die Abgeordneten (wir berichten morgen ausführlich) vor der Abstimmung, in der CDU, SPD, FDP und Grüne für die Schließung votierten. Christian Porsch (Freie Wähler) enthielt sich der Stimme. Die letzten Worte fielen dem Ausschuss-Vorsitzenden Ortwin Stieglitz (SPD) sichtlich schwer. „Es ist nicht zielführend, nach der Schuldfrage zu suchen“, sagte er, „keiner hat den Willen, etwas platt zu machen. Aber wir sehen, dass Ärzte fehlen!“

 

Kommentar von unserer Redakteurin Anke Seidel

110 Euro für ein neues Leben

Das ist bitter: Dort wo 2013 die Geburtshilfestation wieder eröffnen sollte, stehen künftig Pflegebetten. Ganz sicher wird dafür am 27. Februar auch der Kreistag votieren. Das bewiesen die politischen Fraktionen gestern im Gesundheitsausschuss mit ihrer Geschlossenheit. Ja, Hilflosigkeit! Egal, welche Möglichkeiten geprüft und diskutiert werden. Egal, wie man Daten analysiert und interpretiert – unter dem Strich ist das Ergebnis immer dasselbe: Es fehlen Ärzte! Wer dafür nach Gründen sucht, muss nur einen Blick in die ärztliche Gebührenordnung werfen: Maximal 74,27 Euro (nein, kein Druckfehler!) bekommt ein Belegarzt für eine „normale“ Geburt, verdient mit allen medizinischen Leistungen 110 Euro an einem neuen Menschenleben. Netto. Wie viel Arbeit Bürgerinitiative und Kreispolitik, Klinikverbund und Kreisverwaltung in den Erhalt der Geburtshilfe investiert haben, ist bewundernswert. Wie wenig die Krankenkassen für eine Geburt bezahlen, ist ein Skandal! Wenn sie bundesweit gleichzeitig Überschüsse im dreistelligen Millionenbereich verbuchen, ist das ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die sich mit Herzblut für die Grundversorgung vor Ort engagieren.

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