Von Adolf Hitler 1937 eröffnet, wurde der Ort zum Sinnbild der Gleichschaltung der Künste während des Nationalsozialismus. Sie wolle eine längst überfällige Diskussion über Richard Wagner und Israel anstoßen, sagt Magal.
„Hacking Wagner“ klingt nach einem Mammutprojekt und machte bereits in Ihrem Heimatland nicht nur positive Schlagzeilen. Warum tun Sie sich das an?
Saar Magal: Ja, das ist eine gute Frage. Erstens, weil ich es faszinierend finde, zweites, weil ich das Gefühl habe, ich tue es nicht für mich selbst, sondern für einen höheren Zweck. Für mich geht es nicht nur um Wagner, sondern darum, Demokratie zu leben und um das Recht, vorgegebene Normen infrage zu stellen. Ganz ehrlich: Ich habe auch manchmal meine Zweifel daran, ob Wagner in Israel gespielt werden sollte. Aber ich will diese überfällige Diskussion auf die Bühne bringen. Ich will keine Meinung verbreiten, sondern Fragen stellen.
Sie wollen also mit Wagner für Demokratie kämpfen?
Wann sind Sie zum ersten Mal mit Wagners Musik in Berührung gekommen?
Magal: Das war „Parsifal“ in Paris. Ich glaube im Jahr 2006. Bis dahin kannte ich Wagner nicht. Alles, was ich wusste, war, dass es diesen Bann gibt und dass er irgendetwas zu tun hat mit der Nazi-Ideologie. Dann habe ich mir die „Parsifal“-Partitur mit Wagners handschriftlichen Anmerkungen aus dem Internet runtergeladen und da stand, dass die Beziehung zwischen Jesus und den Hebräern zu den größten Fehlern und Lügen der Geschichte gehört. Da dachte ich: Ja, er war wirklich Antisemit. Um ehrlich zu sein: Ich mag bestimmte Stellen in seiner Musik, aber diese Oper fünfeinhalb Stunden zu ertragen, das ist tatsächlich Folter.
Und jetzt befassen Sie sich selbst mit Wagner. Fühlen Sie sich manchmal wie ein Verräter? Oder werden Sie als solcher behandelt?
Magal: Nein. Meine Großeltern sind alle Holocaust-Überlebende, sie haben die Konzentrationslager überlebt. Selbst sie sind komplett gegen den Wagner-Bann. Für sie ist es so, als wende man Nazi-Methoden in Israel an. Mein Großvater vermisst Wagners Musik sogar und die deutsche Kultur. Sie vermissen das alle. Mein Großvater stammt aus Ungarn, aber für ihn war deutsch einmal die Sprache der Hochkultur. Ich habe meinen Großvater interviewt und hatte dafür einen Berliner Kameramann mitgebracht. Er war der erste Deutsche, der in unsere Familie gekommen ist. Mein Großvater bestand darauf, deutsch mit ihm zu sprechen. Er hatte die Sprache seit 70 Jahren nicht mehr gesprochen und bat den Kameramann, eine Wassermelone mit ihm zu teilen und deutsch zu sprechen. Das hat mich sehr berührt.
Wie waren die Reaktionen auf Ihr Projekt in Israel?
Magal: Es hat sehr unterschiedliche Reaktionen gegeben. Die Generation, die in erster Linie ein Problem damit hat, ist wahrscheinlich die zweite Generation. Ich habe noch keinen Holocaust-Überlebenden getroffen, der mir gesagt hat, ich solle das nicht machen. Einige fühlen sich aber schon von der deutschen Sprache angegriffen. Wie weit will man denn da gehen? Mein Großvater hat mir gesagt: Wenn wir alle antisemitischen Komponisten verbannen würden, stünden wir mit sehr wenigen da.
Glauben Sie daran, Ihr Werk auch in Israel präsentieren zu können?
Magal: Ich glaube, es ist sogar sehr wahrscheinlich. Es geht ja darum, Wagner zu zerhacken, die Diskussion darüber zu zerhacken, Heilige Kühe zu zerhacken. Es zeigt also, auf bestimmte Weise, alle Meinungen, die es zu diesem Thema geben könnte. · dpa
















