Hannover - Von Jörg WoratDas hannoversche Theatermuseum ist eine höchst ungewöhnliche Institution. Nicht nur, weil es sich nach wechselvoller Geschichte seit 20 Jahren direkt im Schauspielhaus des Niedersächsischen Staatstheaters in der Prinzenstraße befindet, sondern auch in Hinblick auf die hiesigen Ausstellungen.

© Foto: Jonathan Exley /Contour Getty Images
Michael Jackson mit seinem jüngsten Sohn Michael Joseph Jackson, Jr. und seiner Tochter Paris Michael Katherine Jackson. Das Foto entstand in Jahr 2001 auf seiner Neverland Valley Ranch im Auftrag von VibeMagazine. ·
Denn obwohl das Museum räumlich doch arg beschränkt und der Etat alles andere als üppig ist – zwischenzeitlich bestand die einzige Unterstützung in der Finanzierung einer halben Stelle für Direktor Carsten Niemann –, hat man hier doch immer wieder ganz besondere Präsentationen auf die Beine gestellt.
Die durch zwei Schwerpunkte geprägt sind. Zum einen sind da Kult-Themen wie die „Augsburger Puppenkiste“, die über den Jahreswechsel 1998/99 mehr als 30 000 Besucher anlockte. Zum anderen waren hier immer wieder große Stars mit neuen Facetten zu erleben – eine Schau outete etwa Bernhard Minetti als Fußballfan, ein andere zeigte auf eindringlichen Fotos die sehr verletzliche Seite der Romy Schneider. Und die aktuelle Ausstellung über Michael Jackson dürfte auch diejenigen kaum kalt lassen, die mit der Musik des Sängers nicht viel anfangen können.
Mit „Welcome to my world“ hat sie den passenden Titel. Hier geht es weniger um eine biographische Aufarbeitung, sondern um die Selbstinszenierungen des 2009 verstorbenen Superstars. Zahlreiche Fotos, darunter absolute Raritäten, und allerlei Exponate aus den umfangreichen Sammlungen zweier Hannoveranerinnen hinterlassen in der für diesen Ort typischen, etwas improvisiert wirkenden Ausstellungsarchitektur das Bild eines Menschen, der versuchte, seinen ganz eigenen Traum zu leben.
Die Fotos überschreiten dabei schon mal die Grenze zum Reich jenseits von Gut und Böse. Dann sah Jackson sich als vom Pfeil getroffener Engel oder als latzhosentragenden Tagelöhner mit Blues-Appeal, dies in recht kuriosem Kontrast zum gewohnt makellos gestylten Gesicht. Zu sehen sind außerdem höchst exaltierte Bilder, die der Musiker 1999 von Arno Bani für das Album „Invincible“ machen ließ und prompt von der Plattenfirma Sony abgelehnt wurden. Andere Fotos zeigen Jackson mit Promis von Bill Clinton bis Madonna, dazu kommen Bühnenaufnahmen, die verdeutlichen, dass der Sänger - wie immer man auch sein Schaffen bewertet - zweifellos ein einzigartiges Showtalent war.
Auch Jacksons selbstentworfenes Briefpapier mit dem Peter-Pan-Logo, das für den Traum von ewigwährender Kindheit steht, gibt zu denken. Und am Ende steht ein roter Knuddelbär, geplant als Merchandise-Artikel für die Konzertserie „This is it“, zu der es nicht mehr kommen sollte.
Wer wissen will, welchen Eindruck Michael Jackson auch nach seinem Tod hinterlässt, möge einen Blick ins Gästebuch werfen. Notizen wie „Du bist meine Hoffnung“ gehören noch zu den zurückhaltenderen Äußerungen, und, ja, was hier zu lesen ist, berührt. So oder so.
Traditionell zeigt das Theatermuseum zwei kleinere, völlig eigenständige Begleitausstellungen, die diesmal Rudolf Schock und neu erworbenen Fotos von hannoverschen Bühnengrößen gewidmet sind.
Schattentheater und
Schriftenreihe
Übrigens bietet das Haus auch regelmäßig Veranstaltungen wie Kindertheater oder Lesungen an, alle zwei Jahre findet ein Schattentheater-Festival statt. Schließlich gibt es die unregelmäßig erscheinende Schriftenreihe „Prinzenstraße“, die auch von der überregionalen Presse schon sehr wohlwollend besprochen wurde.
Die Michael-Jackson-Ausstellung ist noch bis zum 13. Mai zu sehen, ein Besuch der Schau lässt sich gegebenenfalls gut mit demjenigen einer Theatervorstellung im Schauspielhaus kombinieren.
Die Öffnungszeiten des Theatermuseums Hannover sind Dienstag bis Freitag und Sonntag von 14 bis 19.30 Uhr.
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