628.07.10|Lokal|1 Kommentar
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BRemen -Von Ute Schalz-

Brav, aber unter Starkstrom: Hilary Hahn spielte Beethovens Violinkonzert.
Ich wurde in der Pause einem Menschen vorgestellt, der das Orchester noch nie erlebt, wohl aber mit großer Begeisterung den Film über die Aktivitäten des Ensembles gesehen hatte. Der sagte nach der Wiedergabe der ersten Sinfonie und des Violinkonzertes: „Ab morgen werde ich mein Leben ändern!“
Derlei Stories haben normalerweise in einer Musikkritik nichts zu suchen. Aber: Die Leser wissen inzwischen, was die Meriten der Beethoven-
So hoffnungslos ausverkauft war die Glocke schon lange nicht, schon um sieben Uhr standen Schlangen an der Domsheide, um noch Karten zu ergattern. Wer waren die alle? Einmal die, die nie an Karten kommen, weil die Konzerte weitgehend ausabonniert sind. Aber auch viele Abonnenten sah ich: „Wieso seid ihr hier? Das habt ihr doch schon etliche Male gehört“. „Eben drum!“ lautete die Antwort, die wohl auch das Geheimnis des Abends war.
Es verhält sich ja nun aber nicht nur so, dass die Kammerphilharmonie einfach immer wieder atemberaubend existentiell spielt. Sicherlich lässt sich auch feststellen, dass Beethoven Konjunktur hat. Die Wiederentdeckung von historischen Komponisten hängt immer auch mit aktuellen politischen Verhältnissen zusammen, und es wäre durchaus zu fragen, warum wir im Augenblick den Utopisten und Tröster Beethoven so sehr brauchen.
Doch zurück zum Konzert und doch einige Worte zu der Aufführung, die denn ja auch immer ein kleines bisschen anders ausfällt. Bei seinem Einstand im Jahr 2004 hatte Järvi die selten gespielte vierte Sinfonie interpretiert und seitdem alle anderen auch. Das Gesamtprojekt gipfelte in einer CD-
Nun also wieder: die Erste und die Fünfte und das Violinkonzert mit der Solistin Hilary Hahn. Die Erste: schnell, spritzig und vor allem explosiv. Es ist immer wieder ein Erlebnis, wie Järvi die Waage halten kann zwischen kammermusikalischer Klarheit und vollkommener Durchsicht mit genauester Differenzierung der Artikulation. Und wie er gleichzeitig die sinfonischen Tutti herausmeißelt. Wie Skulpturen manchmal. Wer so exakt spielt, braucht keine Angst vor „Pathos“ zu haben wie im apotheotischen C-
Und wie Järvi einst erklärte, das Orchester sei „ein Traum“, so hat auch die Amerikanerin Hilary Hahn sich in das Orchester verliebt. Das war Hören am Geben und Nehmen im Violinkonzert. Musikhistorisch richtig spielte sie die Figuren aus dem Orchester heraus (das große romantische Solokonzert ist noch weit entfernt) und entfaltete einen schlackenlosen Klangzauber, der aber immer auch strukturell war.
Zunächst einmal macht Hahn – hierin ein krasser Gegensatz zu ihrer fast gleichaltrigen Kollegin Patricia Kopatchinskaja, die immer zu explodieren scheint – einen fast braven Eindruck: Sie hat bestens geübt, was sie hier vorspielt. Doch genau daraus entwickelt sich ihr insgesamt großes Spiel. Ihre beispiellose Konzentration und Intensität zaubern zunehmend Inseln, die dem Hörer das Weiteratmen rauben, bis sie im dritten Satz dann doch Ausbrüche mit „Starkstrom“ (so ein Kritiker über ihr Spiel) hinlegt. Schön zu sehen war ihr kreisartiges Umhersehen im Orchester, als wollte sie jeden einzeln gewinnen für ein gemeinsames Ziel. Das wurde an diesem Abend erreicht und provozierte Ovationen wie die Wiedergabe der Sinfonien auch.
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28.07.10 meint Angela (anonym)
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