Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeNeujahrskonzert! Besetzt und weltberühmt vor allem durch die Wiener Philharmoniker. Da muss man sich andernorts schon was einfallen lassen und es entsprechend präsentieren.

© Foto: Broede
N. Tokarev ·
Und das taten die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Mario Venzago bestens, ja sogar: Besser kann man das nicht machen. Auf den ersten Blick war „Prosit!“ – das große Neujahrskonzert – ein Potpourri mit sieben Kompositionen. Na ja, wird sicher ganz nett. Auf den zweiten Blick aber entpuppte sich das Programm als ein wahres Juwel von Konzeption: Es waren Tänze im Dreivierteltakt aus aller Welt mit allen ihren Aspekten von taumelnder Freude (Jacques Offenbach) über Totentänze (Camille Saint-Saens und Jean Sibelius) und den Tanz des Teufels (Franz Liszt) bis zum Wiener Walzer als Symbol des Zusammenbruchs einer Gesellschaft und einer Zeit in „La Valse“ von Maurice Ravel.
Die „Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester“ op. 43 von Serge Rachmaninow passte da noch gut rein, war das Stück nicht nur ein veritables kleines Klavierkonzert, das von dem jungen Nikolai Tokarev glänzend transparent gespielt wurde, sondern auch eine Ovation an den Zauberer Paganini, der laut Legende seine Seele an den Teufel verkauft haben soll. Gruseliges Zeichen dafür ist die Verwendung des gregorianischen „Dies Irae“, das an diesem Abend auch noch im „Danse Macabre“ von Saint-Saens erklang: Nun war mit einer heruntergestimmten Saite die Konzertmeisterin Annette Behr-König die intensive Solistin dieses immer wilder werdenden Walzers. Noch in einem anderen Stück schlüpfte Behr-König in die teuflisch-verführerische Rolle der Geige: im Mephisto-Walzer von Liszt.
Für die Wiedergabe des Lohengrin-Vorspiels von Richard Wagner musste man sich konzeptionell ein wenig verrenken: Mit der Vorstellung, dass sich eine Musik von oben, einer himmlischen Atmosphäre, nach tief unten senkt, könnte es aber angesichts der Tanzthematik doch irgendwie passen. Venzago begeisterte sich – und uns – an vibratoloser Klanglichkeit, die nachweislich bis ins späte 19. Jahrhundert noch üblich war: „Wie schön ist ein Klang, der nicht wabert!“, meinte der temperamentvolle Dirigent und führte das makellos und mit ätherischer Schönheit vor.
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