Hannover - Von Jörg WoratDer Schlüssel zu den Ereignissen vom 11. September 2001? Ganz klar: der 1973er Auftritt der Jacob Sisters in Teheran. Diese These vertrat jedenfalls Jürgen Kuttner bei der Premiere seines neuen Programms „Kollateralschlager“ im Schauspielhaus. Wer indes daraus den Schluss zieht, der Abend sei originell, witzig und angenehm schräg gewesen, liegt leider überwiegend falsch.
Dabei ließ der Titel aufhorchen: Die Vorstellung, mit Schlagern könnten gleichsam versehentlich Verwüstungen angerichtet werden, hat was. Doch schon der Untertitel löste sich nicht ein, denn von einer „analytischen Hitparade“ konnte keine Rede sein. Eher von einer recht beliebigen Nummernfolge mit sehr unterschiedlicher Trefferquote.
Zu den gelungenen Momenten gehörten der akzentbehaftete Vortrag von Rita Pavones „In der Bundesrepublik machen alle gern Musik“ oder Özgür Karadeniz’ Transformation der deutschen Nationalhymne in orientalische Skalen. Dies war allerdings keineswegs der einzige Programmpunkt, bei dem der Bezug zum Thema unklar blieb – Songs von „Rammstein“ werden ebenso wenig dem „Schlager“ zugeordnet. Andere Ideen kamen recht bemüht daher: Es gab einen Block um die SPD, bei denen Schlagertexte mit der Farbe „rot“ eine Rolle spielten, und einen um Adolf Hitler, der beispielsweise „Conny Kramer“ in Juliane Werdings Anti-Drogen-Song ersetzte – hier war allerdings angesichts der neuen Sinnzusammenhänge ebenso interessant wie befremdlich, dass der Aufforderung zum Mitklatschen zumindest punktuell freudig Folge geleistet wurde.
Ohnehin konnte Kuttner einige schnelle Punktsiege erringen, sorgte bereits mit der Erwähnung des Hazy-Osterwald-Sextetts für Ge gnicker und zeigte mit einem Video von Margret Fürers „Gammelshake“ einen in der Tat kuriosen Beitrag zu den „Deutschen Schlagerfestspielen“ 1966.
Überhaupt mangelte es nicht an unkonzentrierten Passagen. Kuttners Endlos-Moderationen sind zwar sein Markenzeichen, aber diesmal wollten sie nur selten zünden. Wenn Nullpointen offenbar nicht geplant sind, sondern dadurch entstehen, dass der Sprecher den Faden verloren hat, wirken sie peinlich. Auch die üblichen Publikumsbeschimpfungen verfehlten ihr Ziel: Warum sollten sich die Besucher etwa vorwerfen lassen, dass eine hannoversche Inszenierung von Kuttners Freund Tom Kühnel schlecht ausgelastet sei?
Zum Gesamteindruck des Abends passten Überlänge und streckenweise infernalische Lautstärke. Fazit: eine eher auf- als eindringliche Vorstellung. Fans werden das geschätzt haben, andere Besucher suchten schon in der Pause das Weite.
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