016.02.10|LokalFacebook
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Von Rainer BeßlingOLDENBURG (Eig. Ber.) · Das Anfangsbild erinnert an einen Buchtitel von Carlos Ruiz Zafón. Wie vom Wind bewegte Schatten erscheinen die Tanzenden in wogender Reihe auf der Bühne. Als einzige Bühnenarchitektur beschreibt in ihrem Rücken ein transparenter Vorhang, Projektionsfläche und Trennwand, selbst eine wellenartige Form, die sich am Ende einwickelt.

Parallele Welten und schattenhafte Begleiter: „Double Lives“.
Ausgreifen in den Raum und die ein-
Das Thema des Stücks hätte dazu verführen können, die doppelte beziehungsweise parallele Existenz der beiden Ensembles mit zu thematisieren. Der finnische Gast-
Aus dem Anfangsbild, in dem das Ensemble als unbestimmtes dunkles Kollektiv erscheint, schält sich ein Individuum, vom Licht kenntlich gemacht, heraus. Héloïse Fournier setzt mit ihrem Solo, das Expressivität und innere Spannung, schwebende Körperpoesie und stringente Bewegungsarchitektur in eine klare Form fasst, hohe Maßstäbe.
Aus dem Schattenpulk bilden sich Reihen heraus, die Individuen mitnehmen und abstoßen. Der freie Rhythmus zu Beginn geht in einen festen Grundpuls über. Drängender Groove, abschattiert von nicht selten metallischen Klangflächen zwischen schwerer Last und Pulverisierung (Musik: Jarmo Saari), festigt sich als Antriebsmotor der Choreographie.
Mit der anfänglichen Metapher lässt sich das Bild eines Windmühlenflügel kurzschließen, der von Reihen der Tanzenden geformt wird. Die aus einem Zentrum nach außen treibende Kraft illustriert eine zentrale Ausdeutung des „Doppelgänger“-
In der wie ein Rondo angelegten Choreographie, die in der Mitte ein wenig an Dynamik verliert, verweisen großartige Soli unter anderem von Sunju Kim und Miroslaw Zydowicz auf Erschütterungen der Identität, auf archaische Entgrenzungslust, Suche nach Komplettierung oder die Angst vor dem unbegriffenen oder unbeherrschten Ich. In wechselvollen Duos spiegelt sich auf einem weiten Feld zwischen dem modernen Leiden an Entfremdung und der zeitgenössischen Leidenschaft an Grenzüberschreitungen der ewige Magnetismus zwischen Mann und Frau, zwischen dem Ich und dem anderen.
Eine weitere Variante des Schattenthemas und der Identitätsfrage zwischen Normierung und Selbstbestimmung blättert ein historischer Exkurs zu Renaissance-
Tero Saarinen gelingt es mit „Double Lives“, beide Compagnien auf der Basis eines assoziationsreichen Themas mit einem überschaubaren Bewegungsrepertoire und Raum für individuellen Ausdruck zusammen zu bringen. Dennoch: Die Unterschiede zwischen beiden Ensembles etwa in der Körperspannung oder der dramaturgisch schlüssigen Ausformulierung choreographischer Sequenzen ist nicht zu übersehen, wurde aber von Saarinen etwa in der Auffächerung des Paar-
Zum Schluss verpuppen sich die Schatten hinter dem Vorhang zu Lichtgestalten. Gänzlich erhellt hat Saarinens Studie über einen Archetypus die doppelten Identitäten und parallelen Welten natürlich nicht. Allerdings wurde dem Zuschauer sinnhaft und sinnlich ein zentraler romantischer Topos als hartnäckiger Wegbegleiter der Aufklärung neu vor Augen geführt. Unsere animalischen Anteile als Seelengepäck der Moderne lassen sich schließlich am besten mit dem Körper zum Sprechen bringen.
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