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Sonne über dem schönen Deutschland

Von Kuba über Köln nach Afrika: Shareholder Tom geht auf Weltreise und bleibt am Ende doch zu Hause

Sonne über dem schönen Deutschland

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Syke - Von Johannes BruggaierDas Cover ziert ein Koffer. Darauf: ein verschlissener Aufkleber, „Olympisches Jahr, das schöne Deutschland“. Ein „schönes“ Deutschland? Geht doch eigentlich gar nicht.

Kreiszeitung Syke

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Deshalb wird auch schnell klar, was sich in diesem Koffer befindet. Nämlich alles, nur nicht Deutschland: Kuba, Afrika, sogar Köln. Natürlich ist gerade das alles deutscher als Bockwurt, Bier und Blasmusik zusammen – die Sehnsucht nach der Ferne und rheinischer Frohsinn als einziger Fluchtpunkt inmitten unserer grauen Tristesse.

„Shareholder Tom“ nennt sich der Künstler hinter dem Koffer-Cover. Mit bürgerlichem Namen heißt er Thomas Berghaus und ist ein Kölner Journalist. Er ist aber auch Moderator, Buchverleger – und eben Musikproduzent.

In letzterer Funktion lässt er über seinem „schönen Deutschland“ die Sonne scheinen. Mit Trommeln und Rasseln pendelt er stilistisch zwischen Afro und Buena Vista Social Club, zwischendurch schreien Urwaldvögel, eine Brass-Section spielt zum Tanz auf. Dann aber mischt sich unvermittelt ein urbaner Charakter in den Sound. Hip-Hopper Travis Blaque bekundet, er fühle „Music, Love and Hate“, und aus der eben noch harmonischen Vogel-Wald-und-Sonnenschein-Idylle schält sich der alltägliche Beziehungsstress hervor.

Sie schlägt eigentümliche Volten, diese anfänglich so eindeutig dem Havanna-Mainstream zugewandte Musik des „Shareholder Tom“. Wenn etwa der Hip-Hop in Soul mündet und wenig später ein hymnenhafter Titel im Stil von Barclay James Harvest folgt, möchte man glauben, versehentlich eine neue Platte eingelegt zu haben. Tatsächlich zeigt sich in der formalen Vielfalt eine inhaltliche Konstante: eine Wertschätzung von Präzisionsarbeit, der Drang, auch das Detail bewusst zu formen, sich nicht mit der großen Linienführung allein zufriedenzugeben. Hier ist eine Synkope noch eine Synkope, und ein Rap eine rhythmisch und metrisch exakt ausbalancierte Sprachebene. In dieser Genauigkeit, der disziplinierten Detailarbeit ist das Album „Havanna – Asmara, via Colonia“ dann doch sogar in einem ganz traditionellen Sinne deutsch.

Obgleich der sonnige Sommer-Flair allgegenwärtig ist, reduziert sich die Scheibe niemals auf wohlige Cocktailbar-Beschallung. Weil ihr Stilpluralismus eine zuverlässige ästhetische Begründung findet, gesellt sich zum Wohlgefühl immer auch das Interesse an der musikalischen Gestaltung. „Shareholder Tom“, der „Aktionär“ also investiert durchaus in die Substanz: Sein Kurs dürfte demnächst steigen.

Shareholder Tom: „Havanna – Asmara, via Colonia“, Büro.9 Music GbR; 15,99 Euro.

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