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Shakespeare zum Mitfühlen

Festival „Go West“ in Oldenburg

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Von Johannes BruggaierOLDENBURG · Oldenburg liegt im Westen – für sein Theater aber manchmal nicht westlich genug. „Go West“ lautet das alljährlich stattfindende Festival, mit dem das Oldenburgische Staatstheater einen Blick hinter die Landesgrenze riskiert. Schon zum dritten Mal stellen jetzt Schauspiel- und Tanzgruppen aus Flandern und den Niederlanden ihre aktuellen Produktionen vor.

Gleich für die Eröffnung am 23. Februar (20 Uhr in der Exerzierhalle) wird ein Brückenschlag angekündigt. Es ist eine Brücke von der niederländischen Geschichte zur deutschen Literatur, von der Vergangenheit in die Zukunft und nicht zuletzt eine Verbindung dreier unterschiedlicher Ensembles. „Der (kommende) Aufstand“ heißt das Stück über den Kapitalismus und die – laut Ankündigung – bald zu Ende gehende Ära der freien Bürger: angelehnt an Friedrich Schillers Studie über den „Abfall der Niederlande“, produziert von dem Künstlerkollektiv andcompany & co in Zusammenarbeit mit der Gruppe Frascati Amsterdam sowie dem Oldenburgischen Staatstheater.

Wie immer bei internationalen Projekten wie diesem stellt sich die Frage nach der Verständlichkeit. In der Exerzierhalle wird Niederländisch zu hören sein, Deutsch aber zu lesen (in Übertiteln).

Leichter haben es da die Mitglieder der „Kopergietery“ aus Gent. „Fast wortlos“ nämlich soll ihr Tanztheaterstück „Waldlinge“ funktionieren: ein einstündiges Werk über die Chancen einer jeden Veränderung, eingerichtet für Theaterbesucher ab fünf Jahren (Exerzierhalle, 24. Februar um 10 Uhr sowie 26. Februar um 11 und 16 Uhr).

Bei „De Warme Winkel“ ist der Name keineswegs Programm, Besuchern der Vorstellungen im Hof Schweers (24. bis 26. Februar, jeweils um 16 Uhr) wird jedenfalls empfohlen, nur in warmer Kleidung anzureisen. Anders als der Name der Künstler lässt ihr Stücktitel durchaus Rückschlüsse auf das Werk zu: „Rainer Maria“ ist eine Rilke-Performance in deutscher Sprache.

Einen Ausflug ins Krisengebiet unternimmt am 25. Februar (17 und 20 Uhr im Theater Laboratorium) Neville Tranter mit seinem Figurentheater. „Punch & Judy in Afghanistan“ heißt sein schwarzhumoriges Puppenspiel, in welchem er Kasperl an den Hindukusch schickt (auf Englisch).

Zwei vom Tanz dominierte Produktionen sind am Abend des 25. Februars im Staatstheater zu erleben. Um 19.30 Uhr beginnt die Tanzcompagnie Oldenburg unter der Anleitung des Choreografenteams Guy Weizman und Roni Haver mit ihrer szenischen Studie über die Zeit („Mirage“ im Großen Haus). Um 20 Uhr erzählt dann Jakob Ahlbom mit seiner Kompanie von der Suche eines jungen Mannes nach seiner verschwundenen Freundin („Vielfalt“ im Kleinen Haus).

Nichts weniger als ein echter Shakespeare kommt am selben Abend in der Exerzierhalle (21.30 Uhr) zur Aufführung. Das niederländische „Theater Zuidpool“ hat sich den „Macbeth“-Stoff vorgenommen – und zwar so, wie es von dem großen Dichter einmal gedacht und zu seiner Zeit auch üblich war: als ein Stück, das es im Stehen zu erleben gilt, mitfeiernd, mitfühlend, mittanzend.

Mit der Ulrike Quade Company, dem Figurteatret i Nordland und der Jo Strømgren Kompani findet „Go West“ am Sonntagabend (20 Uhr im Kleinen Haus) seinen Abschluss. „The Writer“ lautet der Titel des mehrfach preisgekrönten Puppenstücks aus der gemeinschaftlichen Produktion der drei Ensembles. Sein Thema: der norwegische Dichter Knut Hamsun.

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