017.03.10|LokalFacebook
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Bremen - Von Ute Schalz-

Gespräche ohne Geschichte: Szene aus Bernd Redmanns Oper „Die Gehetzten“.
Fiktive Personen „unterhalten“ sich über Umwelt, Börsenkurse, Medien, eben alles aus unserem Leben: Es entsteht ein Panorama der Absurditäten. Im Interview kommentierten der Komponist und der Regisseur Kay Kuntze das mit 13 Musikern und fünf SängerInnen besetzte Werk.
?Die Oper ist ja eine Gattung, die viel durchgemacht hat, in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist auch das Erzählen obsolet geworden. Was ist für Sie heute „Oper?“
!Kuntze: Ich kann nur sagen, wie ich sie wahrnehme. Mich nervt vieles zu Künstliche, aber zwischen so vielen Albernheiten entstehen immer wieder Momente von unglaublicher Tiefe und Wahrhaftigkeit. Die suche ich, deswegen mache ich diesen Beruf.
?Herr Redmann, Sie haben ja erzählt, das Libretto sei in wenigen Tagen während eines Sturms entstanden. Mussten Sie Angst bewältigen, wollten Sie sich – auch als Gehetzter – etwas von der Seele schreiben?
!Redmann: So nicht. Es ist meine erste Oper und ich suchte schon lange nach einem Libretto aus der Richtung der Groteske, des Absurden. Dario Fo war da in meinem Kopf. Auf jeden Fall werden Musik und Text konterkariert, daraus ergibt sich die ästhetische Spannung.
?Sie sind Musikwissenschaftler, Musiktheoretiker, arbeiten in der Musikvermittlung. Hat diese Doppelexistenz Einfluss auf Sie als Komponist wenn ja, wie?
!Nicht direkt. Ich denke viel über Musik nach, ja, aber beim Komponieren kann ich das vollkommen ausschalten. Glaube ich.
?Herr Kuntze, das ganze Buch ist ja ein vielschichtiger philosophischer Rundumschlag gegen und über die Welt – es gibt keine Geschichte. Wie setzen Sie diese eher denkerischen Statements in Bilder um?
!Kuntze: Es ist eine Ansammlung von vielen skurrilen Alltagseindrücken, eine Farce. Wir gehen über Theaterbilder, zum Beispiel pathetische. Dieses Amorphe, Widersprüchliche, dieses stilistisch Disparate, das sind dann eben Bilder.
?„Die Gehetzten“, wer sind das? Sind das Menschen, die nicht mehr unterscheiden können, was Lüge und Wahrheit, was Manipulation und Wirklichkeit ist?
!Kuntze: Es ist auch ein Stück über den Verlust der Identität. Niemand in diesem Stück hat eine Identität, weil unser Übermaß an Informationen dazu führt.
!Redmann: Also es ist kein Stück, das sich mit diesen Begriffen auseinandersetzt. Es ist abstrus, irreal, skurril und es hat viele historische Schichten.
?Im Sinne der Montage?
!Redman: Ja. Aber nicht Collage. Die Musik ist wie der Text keine Einheit, es gibt da verschiedene stilistische Töne, aber keine Zitate.
?Es gibt im Text ja auch einen Exkurs über den Kunstbegriff?
!Redmann: Das ironisiert den Avantgardebegriff der 50er und 60er Jahre.
?Wie wird die Gesangsstimme behandelt?
!Redmann: Dem Genre entsprechend mit allen historischen Vorgaben.
?Herr Kuntze, Sie sind Leiter der Berliner Kammeroper, die kein institutionelles Theater ist, sondern jährlich zwei Projekte an verschiedenen Orten produziert. Was bedeutet für Sie der Weg in ein festes Theater?
!Kuntze: Die Herangehensweise ist nicht grundsätzlich anders. Aber bei mir wollen die Leute singen und hier werden sie besetzt.
?Wie arbeiten der Regisseur und der Komponist zusammen? Dieses Verhältnis ist ja nicht immer ungetrübt.
!Kuntze: Ich finde es toll, dass ich den Komponisten fragen kann, wie hast du das gemeint? Das kann ich bei Verdi nicht.
!Redmann: Und ich freue mich, dass da so viele ganz andere Gedanken reinschießen. Ich hatte zwar eigene Bilder im Kopf, aber das macht Kuntze nicht... Gott sei Dank.
Uraufführung am Freitag, 19.3. 2010 um 20 Uhr „Die Gehetzten“ Oper von Bernd Redmann. Weitere Aufführungen 23.3., 25.3., 28.3., 1.4., 21.4.,24.4., 5.5. und 9.5. 2010 im Schauspielhaus.
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