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In Mexiko verschleppt

Weiterhin keine Spur von dem entführten Bremerhavener Dirigenten Cázares

In Mexiko verschleppt

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Von Benno SchirrmeisterBREMERHAVEN · Sie haben ihn verschleppt. Seit mehr als 200 Tagen ist der Dirigent Rodolfo Cázares in der Hand seiner Entführer. Das letzte Lebenszeichen stammt von Ende Juli.

Der 35-jährige Musiker, seit 2008 am Bremerhavener Stadttheater als Solo-Korrepetitor angestellt, war im Sommer zu Hause gewesen, bei seiner Familie, wie jedes Jahr. Cázares stammt aus Matamoros, einer Stadt im Bundestaat Tamaulipas, im äußersten Nordosten Mexikos. Als in der Nacht zum 9. Juli acht Maskierte mit Waffen das Familienhaus stürmen, schlafen dort 18 Menschen.

Nach zwei Tagen sind die meisten von ihnen freigelassen worden, „alle Frauen und Kinder“, sagt Ludivine Barbier-Cázares, die Frau von Rodolfo. Ein Angehöriger sei kontaktiert worden. Die Familien-Handys hatten die Entführer eingesammelt. Sie zitierten ihn zu einem Supermarktplatz, in der Nacht, „sie haben ihm gedroht“, sagt Barbier Cázares. Am Treffpunkt schmissen sie die 14 Gefesselten aus dem Transporter. Mit einem Händedruck hatte sie sich noch von ihrem Mann verabschiedet, bevor sie eingestiegen war. Vier Mal gab es seither Lösegeld-Forderungen, vier Mal hat man gezahlt, insgesamt war es eine fünfstellige Summe, die letzte Übergabe war Ende Juli. Seither haben sich die Geiselnehmer nicht mehr gemeldet.

Auf staatliche Stellen muss Ludivine Barbier-Cázares nun setzen, und auf öffentliche Anteilnahme. Nachdem die Entführer aufgehört hatten, Geld zu fordern, war die Angst zu groß geworden: Was war schief gelaufen? Hatte man die Verbrecher verärgert? Man hielt still. Barbier-Cázares hält Kontakt nach Mexiko, über die Schwägerin. Sie zieht zu ihren Eltern nach Frankreich.

Im Haus in Bremerhaven erinnert alles an ihren Mann, der Flügel, die Bekannten, die Fragen stellen. Dass er weg bleibt, fällt nicht vielen auf: Klar, vom Orchester die Leute, die wissen Bescheid, die Theater-Intendanz auch. Aber sie halten dicht, und es spricht sich nicht rum: Ein Korrepetitor studiert mit den Sängerinnen und Sängern ihre Partien ein, das ist kein sehr öffentlichkeitswirksamer Job. Nur bei zwei Musical-Produktionen war er bisher als Orchester-Leiter aufgetreten, bei Jules Stynes „Sugar“ und, vergangene Spielzeit, mit Bernsteins erstem Musical.. „Immerhin glänzt ,On The Town' musikalisch“, heißt es im liebevoll ausführlichen Verriss des Fach-Portals musicalzentrale.de. Cázares entlocke den Musikern des Stadtorchesters „samtenen Walzer“, vor allem aber „einen satt-eleganten Swingsound und viele jazzige Töne mit schrägen Harmonien“.

Hoffnung auf

politischen Druck

     Jetzt will Barbier-Cázares politischen Druck machen, „was kann ich denn sonst tun?“, fragt sie, etwa „einfach nur warten?“, wie wäre das möglich? „Soll ich mir etwa selber sagen: Das bringt doch alles nichts?“ Als im Oktober das FBI einen von der Bande in den USA aufgreift, wächst neue Hoffnung. Doch die Verhöre erbringen keinerlei Hinweise. Es ist nicht mal klar, ob die US-Ermittler überhaupt nach ihnen gefragt haben.

Barbier-Cázares schreibt an Barack Obama. Immerhin, der Gouverneur von Texas hat ihr jetzt geantwortet, er will sich für ihr Anliegen einsetzen. Barbier-Cázares hat sich an die Kirche gewandt, an den Richard Wagner-Verein, dessen Stipendiat ihr Mann ist, sie hat sich beim mexikanischen Präsidenten beschwert und den Gouverneur kontaktiert. Sie hat Frankreichs Regierung um Hilfe gebeten und die Botschaft in Mexico. Der französische Konsul soll beim Staatsanwalt nachhaken. „Er hat versprochen sich zu melden, sobald er etwas weiß“ sagt Barbier Cázares. Noch hat sie nichts Neues von ihm gehört.

Mittlerweile ist sie pleite. Seit sie den Fall öffentlich gemacht hat, gibt es immerhin Solidaritäts-Aktionen: Der Orchestervorstand sammelt Spenden, fast 3 000 Euro hat man zusammen, bisher. Das Medien-Interesse wächst, gestern gab sie eine Pressekonferenz, im Theater, kommende Woche will sie sich auch an französische Journalisten wenden. „Vielleicht“, sagt Ludivine Barbier-Cázares, „wenn diese vielen Leute aus vielen Ländern zusammen sind, dass es einen Druck macht auf die Entführer“, immerhin sei das doch möglich.

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