220.03.10|Lokal|Lokal|
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Von Johannes BruggaierBREMEN (Eig. Ber.) · Das Ei ist weg. Und das, was drin war, sitzt jetzt auf einem Podest, glotzt ins Publikum. Wie heißt das bloß nochmal? Sieht aus wie ein Mensch, aber auch wie ein Vogel? Macht aus wenig viel? Da öffnet das Ding seinen Schnabel: „Huhu!“ Natürlich! Ein Schuhu!

Macht aus wenig viel: der Schuhu (Patrick O‘Beirne).
Peter Hacks‘ Märchen „Der Schuhu und die fliegende Prinzessin“ hatte nun in der Concordia Premiere. Einstudiert von Regisseur Patrick Schimanski und dem Bremer Theaterlabor: einem Ensemble, das zuletzt stolz auf einen Abstimmungssieg zur „wichtigsten Inszenierung des Jahres“ im Internetforum „nachtkritik.de“ verwies. Nun sind derlei Erfolge mit Vorsicht zu genießen. Vermögen doch freie Bühnen seit jeher besser ihre Anhänger zu mobilisieren als etablierte Häuser. Und angesichts der strukturellen Rahmenbedingungen lassen sich die Produktionen des „Labors“ nicht ernsthaft mit jenen des – sagen wir mal – Hamburger Thalia Theaters vergleichen. Dem ungeachtet aber ließ sich in den vergangenen Jahren durchaus eine künstlerische Weiterentwicklung beobachten. Mit dem „Schuhu“ ist dem Theaterlabor nun die vielleicht überzeugendste Inszenierung seit seinem Bestehen gelungen.
Denn was da auf der leeren weißen Bühne „huhu!“ ruft, ist die szenisch vollauf geglückte Realisierung eines eigentlich unrealisierbaren Fabelwesens. Der Schuhu (Patrick O‘Beirne mit Wiedehopf-Frisur) bewegt sich halb gehend, halb vogelartig schlingernd durch die Menschheit und legt, „huhu!“, mit raffiniertem Witz deren Autoritäten herein. Den Bürgermeister etwa – von Ronen Alexander Temerson herrlich provinzfürstlich interpretiert. Dieser möchte von den wundersamen Vermehrungskünsten des Schuhu profitieren, muss dann aber lernen: Wer von allem mehr als gewöhnlich haben will, wird statt eines Nieselregens Überschwemmungen ernten und statt einer kleinen Ohrfeige einen Mordanschlag. Die wissenschaftlichen Berater des Kaisers von Mesopotamien (Björn Klein) dagegen erfahren, dass ihre scheinbare Gelehrsamkeit nichts weiter ist als das Nachbeten einstudierter Antworten. Zwei sauschwere Rätsel stellt ihnen der Schuhu, jedesmal lautet die Lösung „Schuhu“. Das dritte Rätsel ist ganz leicht: Was fällt im Winter vom Himmel und schmilzt in der Hand? Die Gelehrten – froh, dass sie endlich die Antwort kennen: „Schuhu!“
Es ist eine fantastisch bunte Welt, in der Hacks subversiv gängige Herrschafts- und Wirtschaftsmuster karikiert. So muss natürlich die rührselige Lovestory, die sich zwischen dem Schuhu und einer Prinzessin (Carina Gerwig) entspinnt, ein ernüchterndes Ende finden: Die Schöne erliegt dem Reichtum eines schmierigen Unternehmers. „Starosta Shipping“ heißt dessen Firma, und ihr blaues Logo erinnert verdammt stark an eine bekannte Bremer Reederei.
Ein großartiges Stück, ein bemerkenswerter Hauptdarsteller, ein im Wesentlichen überzeugendes Regiekonzept. Hätte Schimanksi nur halb so viele Popsongs trällern lassen: Der Abend wäre grandios geworden.
Weitere Vorstellungen: heute, morgen sowie am 25. und 26. März, jeweils um 19.30 Uhr in der Bremer Concordia.

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