Von Johannes BruggaierBREMEN (Eig. Ber.) · Ist der Tod nicht schrecklich genug, erweckt man ihn zum Leben. Der blanke Schädel grinst dann noch fieser, als die Natur es ohnehin vorgibt, seine Augenhöhlen sind noch tiefer, und auf der Stirn werden Zornesfalten sichtbar. So zu sehen in der Piraten-Ikonografie der Gothic- und Heavy-Metal-Szene oder auch auf modischen Accessoires von Fußballfans.

Tod oder Leben, Wissenschaft oder Glaube: Bei Tom Gefken und Johann Büsen sagt das Etikett wenig über das Produkt aus.
Bei Tom Gefken ziert diese verlebendigte Version eine Hausfassade, ein Malermeister legt noch letzte Hand an. Das Gebäude auf dem Bild: Es müsste also ein Haus des Todes sein, wenn nicht gar dessen gesteigerte Form, der ästhetisierte, noch schrecklichere, tödlichste Tod. Natürlich markiert der Totenkopf das exakte Gegenteil.
In diesem Haus steckt Leben, eine höchst vitale Jugend-WG womöglich, die mit dem martialischen Fassadenbild ihr Aggressionspotenzial zur Schau stellt.
Denkbar lebendig geht es auf Hausfassade Nummer zwei zur Sache. Hände bedecken freie Brüste, unten baumelt ein Penis, rechts deutet sich eine Masturbationsszene an, oben streicht eine Schwangere über ihren nackten Bauch. Das pralle Leben wirft Johann Büsen an die Wand des mehrstöckigen Wohnblocks. Und doch scheint es, als stehe auch hier der Schein im Widerspruch zum Sein, als zeugten all die sexuell aufgeladenen Zeichen von der Trostlosigkeit im Inneren des Hauses.
Büsen und Gefken hinterfragen tradierte Wahrnehmungsmuster und brechen mit eingeübten Decodierungsformen. In ihren Bildern offenbaren vermeintlich unbestechliche Zeichen ihre täuschende Funktion, wird die Tarnung ihrerseits enttarnt. Das vereinfachte Bild hat als Bedeutungsträger ausgedient, weil sich die Wirklichkeit, die es beschreiben soll, in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: Sie ist zu komplex.
Bis 26. November in der Galerie des Westens. Öffnungszeiten: Mi. 15-19 Uhr, Do. 15-21 Uhr, Fr. 15-19 Uhr.
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